Verhöre Mordverdächtiger filmen

Mord- oder Totschlagverdächtige sollten beim ersten Verhör am besten gefilmt werden. Diesen Rat erteilt das Kollegium der Oberstaatsanwälte in Form eines Rundschreibens der Polizei. Das Rundschreiben hat die französischsprachige Zeitung La Dernière Heure lesen dürfen.

Die Staatsanwaltschaft fordert solche Aufnahmen nach mehreren Urteilen des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte.

"Die Staatsanwälte zwingen das Filmen der Polizei nicht auf, aber die Polizei wird versuchen, dem Rat zu folgen", so Paul Van Thielen von der  Landespolizei. Zu Beginn des ersten Verhörs wird die Polizei die Verdächtigen auch noch einmal ausdrücklich auf ihr Recht der Aussageverweigerung hinweisen müssen.

Bislang war es bereits Gang und Gäbe das Verhör eines Verdächtigen, der vor das Schwurgericht treten muss, zu filmen. Auch Verhöre von Minderjährigen wurden schon seit einiger Zeit gefilmt, schreibt La Dernière Heure.

Bei Erwachsenen erfolgt das für gewöhnlich nicht, weil die Polizei nicht genug Mittel hat. Die Polizeigewerkschaft bedauert den Mangel an Ausbildung und Mittel zum Filmen von Verhören. Die Gewerkschaft kritisiert auch den Mangel an Informationen über diese Maßnahme, weil sie zu Verfahrensfehlern führen könnte.