Jan Fabre begeistert in Düsseldorf

Der flämische Dramatiker, Regisseur und Künstler Jan Fabre hat geschafft, was viele vergeblich anstrebten: die Gattungsgrenzen zwischen Theater, Tanz und Oper nicht nur zu überschreiten, sondern aufzuheben.

Der Tausendsassa aus Antwerpen schaufelt in seiner Düsseldorfer Inszenierung „Diener der Schönheit“ nicht Schauspiel oder Tanz oder Oper auf die Bühne, sondern alles zusammen. Vom Bühnenbild, das ihm als bildendem Künstler besonders am Herzen liegt, gar nicht zu reden.

Gleichwohl dominiert in den meisten Produktionen des provozierenden wie polarisierenden Künstlers das Schauspiel. Insofern war es konsequent, dass das Düsseldorfer Schauspielhaus Fabre (Foto, links)bis zum 29. Mai einlud, seine im März diesen Jahres vollendeten Trilogie zu zeigen: „Der Kaiser der Verluste“, „Der König des Plagiats“ – und zum Abschluss und Höhepunkt, im Kleinen Haus, die deutsche Erstaufführung „Der Diener der Schönheit“ (Foto oben). Fabre konnte einen Publikumserfolg verbuchen, der Beifall war einhellig, einige Zuschauer jubelten laut.

Die Trilogie wird nicht zuletzt von Dirk Roofthooft (Foto rechts) zusammengehalten, der alle drei Protagonisten verkörpert. Im „Diener der Schönheit“ assistieren ihm Marionetten, eine ist wie er gekleidet, wie ein Diener. Die Puppe heißt wie ihr Meister Jean Potage – Johann Suppe – und hat unangenehme Züge. Sie nähert sich unzüchtig ihrer Herrin, einer Marionette, die sich als jungfräuliche Mutter ausgibt, und nagelt ihr Baby ans Kreuz.

Sexuelle Attacken verschmelzen mit Blasphemien. Roofthooft stellt mit einigem Humor einen brutalen und bornierten Egomanen dar – er spricht vor allem Niederländisch, aber auch Französisch, Englisch und ein paar Brocken Deutsch. Die deutsche Übersetzung wird auf die Bühnenrückwand projiziert.

Es gibt keine durchgehende Handlung, Fabre folgt der eher assoziativen Logik des absurden Theaters. „Der Diener der Schönheit“ erinnert immer wieder an Stücke Samuel Becketts. Da Fabre für Text, Inszenierung und Bühne verantwortlich zeichnet, wirkt die Erstaufführung in sich geschlossen. Das steht in krassem Kontrast zum Sujet, das in seiner ganzen Zerrissenheit dargestellt wird – ein Gegensatz, der sich immer wieder in Fabres Werk findet und den Riss, der durch die Welt geht, spiegelt. (mit dpa)