Unnötige medizinische Untersuchungen

Vier von zehn Fachärzten sagen, dass sie von der Krankenhausdirektion unter Druck gesetzt würden, damit sie Untersuchungen veranlassen, die eigentlich nicht nötig wären. Das geht aus einer Umfrage hervor, die am Dienstag im Fachblatt De Specialisten veröffentlicht worden ist.

Von 1.382 Fachärzten, die sich an der Umfrage beteiligten, sagt 37,4 Prozent, dass die Direktion sie unter Druck setze, um zusätzliche Untersuchungen zu veranlassen. Bei den Untersuchungen handele es sich zum Beispiel um ein zusätzliches Röntgenbild, das eigentlich gar nicht nötig wäre oder um einen überflüssigen Bluttest.

Auffällig sind die regionalen Unterschiede. "Bei den niederländischsprachigen Fachärzten liegt der Anteil bei etwa 25 Prozent, bei den französischsprachigen steigt er auf  über 50 Prozent", betont Geert Verrijken, der Chefredakteur des Fachmagazins.

In Wallonien sagt mehr als ein Facharzt von zweien, dass er von der Krankenhausdirektion unter Druck gesetzt werde.

Krankenhäuser wenden diese Praktiken an, um Geld zu verdienen. Erbringt ein Facharzt eine Leistung, erhält das Krankenhaus einen Teil seines Honorars. Beide Parteien gewinnen dadurch, die Gesellschaft bezahlt.

"Werden aus medizinischer Sicht unnötige Leistungen erbracht, heißt das, dass die Krankenversicherung ausgenommen wird," so Verrijken.

"System der Leistungsfinanzierung"

Zorgnet Vlaanderen, die Dachorganisation der christlichen Krankenhäuser, räumt ein, dass hin und wieder unnötige Untersuchungen durchgeführt würden.

"Wir leben in einem System der Leistungsfinanzierung", so der Chef Peter Degadt. "Die Tendenz, die Leistungen in die Höhe zu treiben, damit man Kosten, die nicht durch Fördermittel gedeckt sind, zurückbezahlen kann, kann man bei allen Akteuren, sowohl bei den Ärzten als auch bei den Krankenhäusern feststellen."

Der Verband belgischer Spezialisten VBS findet die Ergebnisse "verwerflich". Marc Moens zufolge müssten die Ärzteräte gegen solche Praktiken vorgehen.