Thyssen und Di Rupo auf Schmusekurs

Die flämischen Christdemokraten CD&V und die französischsprachigen Sozialisten PS sehen sich als stabilisierender Faktor dieses Landes. In einem Interview mit den Zeitungen De Standard und Le Soir verzichten PS-Präsident Elio Di Rupo und CD&V-Präsidentin Marianne Thyssen auf ein institutionelles Abenteuer.

Ein Tag vor den Wahlen zeigen sich Elio Di Rupo (PS) und Marianne Thyssen (CD&V) auf Schmusekurs. Beide tun dies vor unterschiedlichen Hintergründen.

So ist Thyssen offiziell Kandidatin für das Amt des Premierministers, ihre Partei schneidet aber bei den jüngsten Wahlumfragen nicht so gut ab. Di Rupo sieht seine Partei aus den Wahlen als die größte im französischsprachigen Belgien hervorgehen und ist immer öfter als zukünftiger Regierungschef des Landes in aller Munde, offiziell ist er aber nicht Kandidat dieses Amtes.

Im Interview geben sie sich also als Politiker, die zusammen mit ihrer Partei einen gemeinsamen Kurs einschlagen, nämlich "den der Stabilität und nicht den des Abenteuers".

"Entscheidet sich der Flame für eine Partei der Stabilität oder das Abenteuer? Die PS präsentiert sich jedenfalls als Damm gegen das Abenteuer. Voilà", heißt es bei Di Rupo.

Thyssen fordert, dass man die Gemüter nicht länger erhitze. "Wir sind schon genug auf Konfrontationskurs gegangen. Lassen Sie uns nun mit den Gedanken, die gereift sind, effektiv über die Staatsreform verhandeln. Nur so kommen wir zu einer Lösung."

Di Rupo will vor allem eine schnelle Einigung, denn unser Land könne sich keine lange Periode der Instabilität leisten. "Die Verhandlungen müssen so schnell wie möglich durchgezogen werden. Glauben Sie mir, nach 8 oder 10 Tagen muss deutlich sein, ob bei jedem am Tisch der Wile besteht, um zum Kern des Problems durchzustoßen."

Nochmals Kritik an De Croo

Die PS mag vielleicht die Wahlen im französsichsprachigen Belgien gewinnen, dennoch ist Di Rupo nicht gerade glücklich über die vorgezogenen Neuwahlen.

Der PS-Parteipräsident kritisiert noch einmal den Parteipräsidenten der flämischen Liberalen Open VLD, Alexander De Croo, der Ende April den Stecker aus der Regierung zog.

"Was De Croo gemacht hat, ist sehr schlimm (c'est d'une gravité sans nom). Jeder, der das schwierige institutionelle Wirrwarr in Belgien kennt, weiß, dass es unseriös ist, zu sagen, dass eine Einigung innerhalb von drei Tagen oder einer Woche auf dem Tisch liegen muss. Gerade als die Diskussion zum Kern der Sache vorgestoßen war, hörte er auf."

Thyssen schließt sich Di Rupo an. De Croo habe die Parteiinteressen über die Landesinteressen gesetzt.