Louis Michel: Leopold II war "Held"

Der ehemalige belgische Außenminister Louis Michel findet, dass König Leopold II ein "Visionär und ein Held" gewesen sei. Verurteile man heute seine Politik von damals in der ehemaligen Kolonie Kongo, mache man es sich zu leicht.

In diesem Jahr feiert Kongo 50 Jahre Unabhängigkeit von Belgien. Nächste Woche besucht König Albert II die ehemalige Kolonie, um zusammen mit anderen Staats- und Regierungschefs den offiziellen Feiern beizuwohnen.

Die Rolle des verstorbenen Königs Leopold II bleibt nach all den Jahren umstritten. Leopold II hatte die Kolonisierung des zentralafrikanischen Landes betrieben und die Kolonie jahrelang als Privatvbesitz geführt und erst kurz vor seinem Tod  dem belgischen Staat "geschenkt".

Historiker haben nachgewiesen, dass es unter Leopold II (Foto) im Kongo zu zahlreichen brutalen Übergriffen auf die Bevölkerung kam. Schätzungen zufolge sollen durch die hartherzige Verwaltung der Kolonie über 1 Million Kongolesen ums Leben gekommen sein.

Sklaverei soll gang und gäbe gewesen sein und außerdem sei die belgische Königsfamilie durch die gewissenlose Ausbeutung  der Kolonie sehr reich geworden.

In einer Diskussion mit zwei Historikern  in der belgischen Wochenzeitschrift P-Magazin, verteidigt der ehemalige belgische Außenminister Louis Michel Leopold II.

"Solche Kritik verdient Leopold II nicht. Die Belgier haben dort Eisenbahnlinien, Schulen und Krankenhäuser gebaut und das Wirtschaftswachstum angekurbelt. Ob Leopold II Kongo auch in ein riesiges Arbeitslager verwandelte? Nein. Damals war das einfach so", findet Michel.

"Der, der ohne Sünde ist..."

Der Abgeordnete des Europäischen Parlaments nennt den ehemaligen König selbst "einen Visionär, einen Held". "Er wusste, dass wir ein kleines europäisches Land waren und dass uns die Kolonie einen unglaublichen Mehrwert einbringen würde, in allen Bereichen. Wirtschaftlich hatte er damit auch recht."

Michel findet, dass es kein Zufall sei, dass vor allem britische Historiker Kritik an Leopold übten. "Sie haben es ihm immer übel genommen, dass er Kongo vereinnahmt hat. Was haben jedoch die Briten in ihren Kolonien getan? Der, der ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein."

Der französischsprachige Liberale von der MR räumt ein, dass es damals "Unregelmäßigkeiten" gegeben habe, weigert sich aber, die Schreckensherrschaft unter Leopold II zu verurteilen. "Wir lassen uns leicht zu Übertreibungen hinreißen, wenn es sich um den Kongo handelt."