Hausdurchsuchung bei Kardinal Danneels

Die Justiz ließ die Privatwohnung von Kardinal Danneels, den erzbischöflichen Palast und die Kathedrale in Mechelen durchsuchen. Sie vermutet, dass die Kirche Unterlagen über Kindermissbrauch unterschlagen hat.

Die Hausdurchsuchungen fanden am Vormittag auf Veranlassung der Brüsseler Staatsanwaltschaft statt. Eine Hausdurchsuchung lief auch in der Sankt-Romboutskathedrale in Mechelen. Dort wurden Ermittler mit Staubmasken und Brecheisen gesehen. Das Viertel wurde völlig für Verkehr gesperrt.

Durchsucht wurden Büroräume beim Erzbistum in Mechelen und die Privatwohnung von Kardinal Godfried Danneels. Der Kardinal wurde nicht vernommen, wohl wurde sein PC beschlagnahmt. Er begleitete die Polizisten auch in die Kathedrale und den erzbischöflichen Palast. Dort gab er Hinweise, wo eventuell belastendes Material versteckt sein könnte.

Da die Ermittlungen aber erst am Anfang stehen, wollte die Staatsanwaltschaft keine Einzelheiten bekannt geben. Ein Brüsseler Untersuchungsrichter ermittelt in einem neuen Missbrauchfall. Vermutet wird, die Kirche könne Unterlagen über Kindermissbrauch bewusst unterschlagen haben.

Über die Art möglicher Vergehen und das Alter möglicher Opfer und Verdächtiger schweigt sich die Justiz aus.

Es wurde auch in Leuven (Löwen) eine Hausdurchsuchung beim Ausschuss durchgeführt, der seit einigen Wochen die Missbrauchsfälle in der Kirche untersucht. Alle 450 Akten wurden beschlagnahmt.

Peter Adriaenssens, der Vorsitzende des Ausschusses, bedauerte dies. Er betonte, es handele sich um geheime Akten und mit der Staatsanwaltschaft sei vereinbart worden, dass der Inhalt dieser Akten im Interesse der Missbrauchsopfer mit größter Diskretion bearbeitet werden. Für den späten Nachmittag kündigte Adriaenssens eine Pressekonferenz an.