Nach Rücktritt: CD&V in der Krise

Die Vorsitzende der flämischen Christdemokraten (CD&V), Marianne Thyssen (Foto, links), trat am Mittwoch von ihrem Posten zurück. In der Presse wird über die Zukunft der Partei nach dem Wahldesaster vom 13. Juni spekuliert.

Thyssen zog mit ihrem Rücktritt die Konsequenz aus dem historisch schlechten Abschneiden der bisher wichtigsten Partei Flanderns bei der Wahl. Die flämischen Christdemokraten konnten nur noch 17 von 150 Sitzen erringen.

Marianne Thyssen war vom scheidenden Premierminister Leterme (Foto oben, rechts) als Spitzenkandidatin der CD&V für die Parlamentswahlen vorgeschlagen worden. Sie war als erste Frau in der Geschichte des Landes ebenfalls Anwärterin auf das Amt der belgischen Regierungschefin, doch kam dieser Posten durch das schlechte Wahlergebnis ihrer Partei nicht in Frage.
 

Innerhalb der flämischen Christlichsozialen wächst die Kritik am scheidenden Premierminister Yves Leterme. Immer mehr Mitglieder machen ihn für die Schlappe der CD&V bei den Parlamentswahlen vom 13. Juni verantwortlich. Diese Meinung wird auch in den Pressekommentaren vertreten. Hier heißt fast einstimmig: eigentlich hätte nicht Thyssen, sonder Leterme die einzig akzeptable Schlussfolgerung aus dem Wahldebakel ziehen müssen.

Aufgeworfen wird auch die Frage, welche Zukunft der Partei, die nach Kriegsende jahrzehntelang fast ununterbrochen in der Regierungsverantwortung war, jetzt noch hat.

Wegen des Wahrerfolgs der Nationaldemokraten (N-VA) droht den Christdemokraten auf Dauer der Verlust der meisten zentrumrechten und konservativen Wähler. Damit verliert die Partei ihre dominante Position in Flandern, glauben viele Leitartikler.