Bischofsgrab angebohrt: Nichts gefunden

Bei den rund zehnstündigen Hausdurchsuchungen vom Donnerstag am Hauptsitz des Erzbistums Mechelen-Brüssel sind keine geheimen Dokumente entdeckt worden. Das hat die Justiz bekanntgegeben.

Bei der Suche nach Beweisstücken für Sexualmissbrauch durch Seelsorger führten die Ermittler äußerst spektakuläre Durchsuchungen sozusagen im Herz der katholischen Kirche durch: am Sitz des Erzbistums und in der Kathedrale von Mechelen und in der Privatwohnung von Kardinal Danneels (Foto), dem ehemaligen Primas der katholischen Kirche Belgiens. In der Kathedrale wurden sogar Sarkophage ehemaliger Erzbischöfe auf der Suche nach Beweismaterial angebohrt: Ohne Resultat.

Den ganzen Tag durften auch die belgischen Bischöfe, die sich zu ihrem monatlichen Treffen in Mechelen aufhielten, das Gebäude nicht verlassen.

Geheime Pädophilie-Akten, über die eine Anzeige bei der Justiz in Brüssel eingegangen war, wurden jedoch weder im erzbischöflichen Palast noch bei Kardinal Danneels gefunden. Der Kardinal selbst wurde auch nicht vernommen, wohl aber wurde sein Computer beschlagnahmt.

Außerdem nahmen die Ermittler aus den Räumen des Erzbistums kistenweise Unterlagen und viele PC’s mit, die jetzt nach Hinweisen auf den sexuellen Missbrauch von Minderjährigen durch Priester oder Ordensleute weiter durchsucht werden.
 

Parlamentarischer Untersuchungsausschuss

Eine weitere Hausdurchsuchung fand in den Büros der kirchlichen Einrichtung statt, die sich mit sexuellem Missbrauch durch Geistliche befasst. Dort wurden 475 vertrauliche Dossiers sichergestellt. Der Vorsitzende der Kommission, Professor Peter Adriaenssens (Foto), äußerte sich empört und beklagte einen Vertrauensbruch gegenüber jenen, die sich der Kommission anvertrauten, aber keine gerichtliche Klage einreichen wollten.

In einer Reaktion sagte Justizminister Stefaan De Clerck, Ermittlungsrichter seien in ihren Entscheidungen völlig unabhängig und nicht an eventuelle Absprachen mit der Staatsanwaltschaft gebunden. Auch im Fall des Sexualmissbrauchs in der Kirche entscheide der ermittelnde Richter völlig selbstverantwortlich, welche Schritte er einleite.

De Clerck begrüßte den Vorschlag von Kinderspychiater Adriaenssens einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss einzurichten, der die Motive für diese Hausdurchsuchungen prüfen soll.
 

Erzbistum Mechelen-Brüssel

Das Erzbistum Mechelen-Brüssel ist Zentrum der katholischen Kirchenprovinz Belgien. Erzbischof André-Joseph Léonard ist seit Januar Oberhirte des Bistums als Nachfolger Danneels und auch Vorsitzender der belgischen Bischofskonferenz.

Das Bischofsamt in Mechelen-Brüssel ist üblicherweise mit der Kardinalswürde verbunden. Kardinal Danneels war 1998 in einem Gerichtsverfahren vom Vorwurf freigesprochen worden, nichts gegen einen Priester unternommen zu haben, von dessen Missbrauchsverfehlungen er wusste.

Im April war der Bischof von Brügge, Roger Vangheluwe, wegen des sexuellen Missbrauchs eines Kindes zurückgetreten. Der 74-Jährige hatte eingeräumt, sich vor rund 25 Jahren wiederholt an einem Jungen vergangen zu haben - auch noch, als er bereits Bischof war.