Justiz vernimmt Kardinal Danneels

Kardinal Danneels, der ehemalige Erzbischof von Belgien, wird am Dienstag von der Gerichtspolizei über den sexuellen Missbrauch von Minderjährigen durch Seelsorger befragt. Danneels wird als Zeuge vernommen.

Der Kardinal wurde zuhause von der Polizei abgeholt. Um 9.40 Uhr traf er in Brüssel in den Büros der Ermittler ein.

Die Rolle von Danneels im Zusammenhang mit den Missbrauchfällen in der katholischen Kirche wird schon seit einigen Wochen kritisch hinterfragt. Die Ermittlungsbehörden wollen der Frage nachgehen, ob Kardinal Danneels in seiner Amtszeit pädophile Priester vor der Justiz geschützt hat und ihre Akten verschwinden ließ.

Das Gericht will nach Danneels noch weitere belgische Bischöfe befragen.

Der Name des Kardinals wird nach Verlaut in etwa 50 Akten erwähnt, die bei den Hausdurchsuchungen am Sitz des Erzbistums Mechelen vor zwei Wochen beschlagnahmt wurden. 

Im April war der Bischof von Brügge, Roger Vangheluwe, wegen des sexuellen Missbrauchs eines Kindes zurückgetreten. Der 74-Jährige hatte eingeräumt, sich vor rund 25 Jahren wiederholt an einem Jungen vergangen zu haben - auch noch, als er bereits Bischof war. 

Dutroux

Bei diesen Hausdurchsuchungen soll die Justiz laut Angaben der Zeitung „Het Laatste Nieuws“ auch auf Dokumente gestoßen, deren Herkunft Rätsel aufgibt: vertrauliche gerichtliche Akten über Pädophilie in der Kirche, Schriftstücke und Briefe, in denen es um verbrannte gerichtliche Dokumente ging.

Außerdem sollen sich unter den beschlagnahmten Stücken zahlreiche Fotos und Dokumente aus den Gerichtsakten über die von Marc Dutroux ermordeten Kinder Julie und Melissa befinden.

Darunter sind auch Aufnahmen von den Ausgrabungen der Leichen und der Leichenschau. Diese Dokumente waren allein für die Justiz bestimmt und ganz sicher nicht für die Kirche.

In einer Reaktion auf den Zeitungsbericht sagte Eric de Beukelaer, der Sprecher der Bischoffskonferenz: „Wir wissen hiervon nichts und fragen uns worauf diese Informationen beruhen.“ De Beukelaer bittet deshalb in diesem Zusammenhang um Vorsicht.