Bischöfe: “Presseleck ist unerhört”

Die belgischen Bischöfe finden es inakzeptabel, dass jemand von der Staatsanwaltschaft Informationen über Missbrauchfälle der katholischen Kirche an die Presse weitergeleitet hat. Das behindere die laufenden Ermittlungen, finden sie.

Am Dienstag war Kardinal Danneels zehn Stunden lang von den Ermittlern als Zeuge vernommen worden. Er musste sich nach den Hausdurchsuchungen beim Erzbistum, Ende Juni, zu dem Verdacht äußern, die katholische Kirche habe Sexualmissbrauch durch Seelsorger jahrelang verschwiegen und vertuscht.

Nach Ablauf der Vernehmung stellte die Brüsseler Justiz fest, der Kardinal stehe nicht unter Verdacht.

Ebenfalls Dienstag war in einer Zeitung nachzulesen, dass bei des Hausdurchsuchungen Dokumente aus der Dutroux-Akte entdeckt worden. Laut Het laatste Nieuws befanden sich darunter auch Fotos aus dem Obduktionsbericht von Julie und Melissa, zwei kleinen Mädchen, die vom Kinderschänder Marc Dutroux entführt worden waren und in dessen Kellerverlies verhungerten.

Die Bischofskonferenz fordert die Justiz jetzt auf, klarzustellen, wie diese Information in die Presse geraten konnte. „Es wäre unerhört, dass jemand sensationslüsterne Informationen, die unter das Berufsgeheimnis fallen, doch zielbewusst an die Medien weitergibt“, heißt es. „Das schadet der Glaubwürdigkeit der Ermittlungen“.

Die Bischöfe stellen klar, dass sie die besagten Dokumente von einer Person erhalten haben, die „in den Medien und beim Erzbistum bekannt ist“. „Wie jetzt wieder bestätigt wurde, sind diese Dokumente damals auch Gerichtsjournalisten, Politikern und anderen Personen im Lande zugespielt worden“.