11. Juli: Flanderns Feiertag

Der 11. Juli ist der offizielle Feiertag des belgischen Bundeslandes Flandern. Dieser Tag erinnert an den 11. Juli 1302. An diesem Tag besiegte zum ersten Mal ein Heer von Bürgern und Bauern eine Armee französischer Ritter bei Kortrijk.

Dieser Kampf ist als die „Schlacht der Goldenen Sporen“ in die Geschichte eingegangen und ist heute tief im Bewusstsein der Flamen verankert.

Der Name Flandern wurde um das Jahr 900 herum zum ersten Mal erwähnt. Dabei handelte es sich um eine Grafschaft westlich der Schelde. Der Graf von Flandern, der schon damals das Banner des schwarzen Löwen auf gelbem Grund nutzte, herrschte damals über eine Gegend, die von der Schelde und der Nordsee bis nach Zeeland und Artois reichte.

Damals wurden auch schon die ersten Gebiete des heutigen Hinterlandes der Küste eingepoldert, wie zum Beispiel um 1125 die Gegend um Veurne. Rund 10 Jahre später entstanden auch die ersten Deiche bei Brügge.

In erster Linie wurde dabei das Land an der Schelde trockengelegt und für die Landwirtschaft nutzbar gemacht. Anfang des 14. Jahrhunderts waren rund 90% der Flusslandschaft an der Schelde urbar gemacht.

Das Fürstentum Flandern entsteht auf niederländischem Gebiet

Flandern ist die erste Grafschaft, die auf niederländischem Gebiet entsteht. Im Laufe der folgenden Jahrzehnte und Jahrhunderte folgen noch die Fürstentümer Loon, Brabant, Hennegau und Limburg.

Die flämischen Grafen und Fürsten fördern die Landwirtschaft, den Handel und die Wirtschaft. In dieser Zeit beginnen sich die ersten Städte - Ypern, Gent oder auch Brügge (Foto) - zu emanzipieren. In Brüssel erkämpfen sich die Gilden sogar eine eigene Ständevertretung.

Doch auch auf dem Land wird gegen die mächtigen Grafen aufbegehrt. 1248 wird in Brabant erstmals in Europa die Leibeigenschaft der Bauern abgeschafft. Flandern wird zunehmend wohlhabender, was den Neid und die Habgier der französischen Könige erweckt. Diese wollen sich die sogenannten „Niederen Lande“ - mehr oder weniger das heutige Flandern und die heutigen Niederlande - einverleiben.

Die „Schlacht der Goldenen Sporen“

In Flandern kann man sich mit der Vorherrschaft der Franzosen nicht so recht abfinden. Sowohl die ehemaligen Herrscher, als auch die Bauern auf dem Lande und die Bürgerlichen in den Städten lehnen sich gegen die französischen Besatzer auf.

Am 11. Juli 1302 kommt es in der Gegend von Kortrijk zu einer Schlacht, bei der ein Heer von Bauern und Bürgern unter der Führung von Jan Breydel und Pieter de Koninck eine französische Reiterarmee in die Flucht schlägt – gnadenlos und ohne Gefangene zu machen.

Später geht diese Schlacht als die „Schlacht der Goldenen Sporen“ in die Geschichte ein, denn die siegreichen Flamen sammelten auf dem Schlachtfeld die Sporen der Reiterstiefel der besiegten Feinde ein und brachten sie nach Kortrijk. 700 dieser Sporen wurden in einer Kirche als Trophäen aufbewahrt. Später allerdings holten sich die Franzosen diese Trophäen wieder zurück, als sie in einer weiteren Schlacht die Flamen dann doch besiegen konnten.

11. Juli 1302 im Bewusstsein der Flamen

Der erste Sieg einer flämischen Armee aus Bourgeoisie und Landbevölkerung gilt als wichtigstes Ereignis in der Geschichte der flämischen Grafschaften und ihre Kriege gegen die französischen Könige.

Diese „Schlacht der Goldenen Sporen“ und viele weitere Konflikte haben letztendlich verhindern können, dass Flandern (und auch letztlich das ganze Belgien) heute zu Frankreich gehört.

Die „Schlacht der Goldenen Sporen“ trägt alle Elemente, die zur Legendenbildung der eigenen Vergangenheit nötig sind. Im Laufe der belgischen Unabhängigkeit im 19. Jahrhundert wurde diese Schlacht zum Symbol von Widerstand gegen Besatzung und für Unabhängigkeit und Selbstbestimmungsrecht auch und gerade in Flandern.

Diese Romantik der Befreiung machte sich 1838 Hendrik Conscience zu Eigen, als er das Buch „Der Löwe von Flandern“ verfasste. Conscience und sein Werk haben wesentlich dazu beigetragen, dass die „Schlacht der Goldenen Sporen“ am 11. Juli 1302 heute im kollektiven Bewusstsein der Flamen und in ihrer Identität fest verankert sind.