Serbien will auch Auslieferung Mladics

Serbien hat Belgien versprochen, bei der Suche und der anschließenden Auslieferung des mutmaßlichen Kriegsverbrechers Ratko Mladic mitzuhelfen. Das sagte der serbische Präsident Boris Tadic anläßlich seines Besuchs beim scheidenden belgischen Premierminister Yves Leterme.

Ratko Mladic (kleines Foto) wird vom Jugoslawientribunal des internationalen Strafgerichtshof in Den Haag gesucht. Er gilt als Hauptverantwortlicher für das Massaker von Srebrenica, bei dem 8.000 Muslime ermordet wurden.

Bevor Mladic 2002 untertauchte, lebte er jahrelang unbehelligt in Belgrad. Eine Mehrheit der Serben lehnt seine Auslieferung an das UNO-Tribunal auch heute noch ab.

2009 strebte Serbien eine Beitrittskandidatur für die Europäische Union an. Der Besuch von Tadic beim EU-Vorsitzenden Belgien ist vor diesem Hintergrund erfolgt.

Die EU fordert die Auslieferung Mladics und anderer gesuchter mutmaßlicher Kriegsverbrecher an den IGH. Sie hat dies zur absoluten Voraussetzung für EU-Beitrittsgespräche gemacht.

"Ich werde nicht ruhen, bis Mladic festgenommen und Den Haag überstellt ist. Das ist einer meiner und für meine Regierung wichtigsten Aufgaben. Es ist auch der Schlüssel zur Versöhnung in der gesamten Region", so Tadic am Donnerstag in Brüssel.

Vergangenes Wochenende haben sich Leterme und Tadic bereits zum 15. Jahrestag des Massakers von Srebrenica getroffen. Leterme sagte in seiner Rede, dass es inakzeptabel sei, dass Mladic immer noch frei herumlaufe.

Tadic wird sich in den nächsten Monaten mit unserem Land weiter über einen Beitritt zur EU beraten. Serbien hofft im Laufe des Jahres 2011 auf einen Kandidaten-Status für eine EU-Mitgliedschaft.

Kosovo bleibt heikles Thema

Der Kosovo, in dem es vor kurzem noch Zwischenfälle gab, ist ein weiteres Problem.

Der IGH wird nächsten Donnerstag sein Urteil abgeben, ob die einseitige Unabhängigkeitsausrufung der Albaner-Region Kosovo von Serbien vor zweieinhalb Jahren gegen das internationale Recht verstoßen hat. Nach Darstellung der serbischen Regierung wird das Urteil die Selbstständigkeit Kosovos für rechtswidrig erklären.

Serbien will auf keinen Fall die Unabhängigkeit anerkennen.

Tadic sagte am Donnerstag, dass sich der Gerichtshof nicht auf eine Seite schlagen dürfe. "Wir müssen eine nachhaltige und ausgewogene Lösung herausarbeiten, die Serbien, Kosovo und Albanien zufrieden stellen kann."