Rentenbombe: niedriger Beschäftigungsgrad

Belgien zählt zu den schlechtesten Schülern Europas in Sachen Beschäftigungsgrad der älteren Personen. Das geht aus einer Statistik des europäischen Statistikamts Eurostat hervor, die am Mittwoch veröffentlicht wurde.

Nur 35 Prozent der Personen über 55 Jahre  arbeitet noch in Belgien.

Damit kann sich Belgien ganz unten auf der europäischen Liste einreihen, denn nur Malta, Ungarn und Polen stehen noch schlechter da.

Der europäische Durschschnitt liegt bei 46 Prozent. Da in unserem System die arbeitsaktive Bevölkerung für die Renten sorgt, wird das, falls nicht schnell etwas unternommen wird, ein großes Problem für die Rentenfinanzierung in Belgien werden.

Hinzu kommt die Zunahme der Überalterung der Bevölkerung. Die Finanzbedürfnisse steigen also noch weiter.

Erbe der 70er Jahre

Angesichts seines sehr niedrigen Beschäftigungsgrades steht Belgien also äußerst schlecht da. "Das Problem findet seinen Ursprung in den 70er Jahren", betont Michel Jadot, der Präsident der nationalen Rentenkonferenz in der Zeitung Le Soir.

"Zum Zeitpunkt der Ölkrise erfolgten große Umstrukturierungen im Textilsektor sowie in der Eisen- und Metallindustrie. Belgien antwortete mit einem System des Vorruhestands."

Die Idee dahinter war, dass ältere Arbeitnehmer in den vorgezogenen Ruhestand treten können, damit jüngere Leute leichter einen Arbeitsplatz finden. "Das System hat aber nicht funktioniert", erklärt Jadot. Die durch das Verlassen der Firmen frei gewordenen Stellen seien nicht durch Neubesetzung oder durch Schaffung neuer Arbeitsplätze kompensiert worden, so Jadot noch.

Auch die großzügigeren Renten im öffentlichen Sektor haben dazu geführt, dass viele Beamte schon mit 60 anstatt mit 65 Jahren in den Ruhestand getreten sind.

Die Entscheidungen in der Vergangenheit wiegen auch heute noch schwer in Belgien. Das System ist eingeführt und kann nur  schwer in Frage gestellt oder rückgängig gemacht werden.

Nächste Regierung muss Reformen durchsetzen

Die Statistik von Eurostat zeigt, dass das System in Belgien dringend reformiert werden muss. Die Reformen liegen jedoch zu diesem Zeitpungt brach.

Mit dem Fall der Regierung wurde die Rentenkonferenz suspendiert. Die nächste Regierung wird also um Reformen in diesem Bereich nicht herum kommen und sie zur ersten Prioriät machen müssen.

Viel Teilzeitarbeit

Die Statistik von Eurostat enthält übrigens auch Zahlen zur Teilzeitarbeit in den verschiedenen Ländern Europas.

Hier liegt Belgien über dem Durchschnitt: Fast einer von vier arbeitenden Belgiern ist teilzeit beschäftigt. Der europäische Durchschnitt liegt bei einer arbeitenden Person von fünf.

In den meisten reicheren europäischen Ländern ist die Teizeitarbeit ähnlich beliebt wie in Belgien. Die Niederlande führt  dabei die Spitze in Europa an: Rund 48 Prozent der arbeitenden Niederländer tut dies auf Teilzeitbasis.