Justiz und Kirche: Illegale Ermittlungen

Die Hausdurchsuchungen bei der Adriaenssens-Kommission im Zusammengang mit den Ermittlungen gegen sexuellem Missbrauch in der Kirche im vergangenen Juni waren illegal. Das stellte die Brüsseler Justiz fest, wie das flämische Privatfernsehen VTM am Freitagabend berichtete.

Am 24. Juni wurden der Hauptsitz des Bistums Mechelen-Brüssel und die Privatwohnung des früheren Erzbischofs Kardinal Gottfried Danneels durchsucht. Angeordnet hatte die so genannte "Operation Kelch" der Brüsseler Untersuchungsrichter Wim De Troy. Er suchte nach Beweisen dafür, dass die katholische Kirche den Sexualmissbrauch von Kindern und Jugendlichen jahrelang bewusst vertuscht hatte.

Im Rahmen dieser Operation wurden auch 475 Akten der so genannten Adriaenssens-Kommission beschlagnahmt. Bei dieser unabhängigen Einrichtung konnten sich Missbrauchsopfer melden. Sie erhielten die Zusage, dass ihre Aussage geheim gehalten werden. Gegen die Beschlagnahmung dieser Akten war von verschiedenen Seiten geklagt worden. Wie der kommerzielle flämische TV-Sender VTM nun berichtet, urteilte die Brüsseler Anklagekammer bereits vor einigen Wochen, dass diese Beschlagnahmung nicht zulässig war.

Das Material darf von den Ermittlern nicht verwendet werden. Untersuchungsrichter Wim De Troy hatte bisher verhindert, dass diese Entscheidung veröffentlicht wurde. Was mit diesen Akten jetzt geschehen muss, ist unklar. Die Adriaenssens-Kommission hatte sich aus Protest gegen die Ermittlungsvorgänge und ihre Folgen davon aufgelöst. Offenbar sollen die an die Kirche zurück gegeben werden, denn die Kommission war eine kirchliche Einrichtung.

Am Samstag haben 30 Opfer von sexuellem Missbrauch durch Geistliche gegen die Rückgabe ihrer Akten an die Kirche geklagt. Sie und ihre Anwälte befürchten, dass die Vorfälle, wenn die Kirche dieser Akten habhaft wird, in Vergessenheit geraten...

Das übrige Material, das bei diesen Hausdurchsuchungen in Mechelen beschlagnahmt wurde, wird wohl als Beweismittel zugelassen.