"Danneels soll sich entschuldigen"

Zwei westflämische Priester haben einen öffentlichen Brief an Kardinal Godfried Danneels geschrieben. Darin fordern sie das frühere Oberhaupt der katholischen Kirche in Belgien auf, zuzugeben, dass er im Fall des Kindesmissbrauchs durch Vangheluwe einen Fehler gemacht habe.

Danneels, so heißt es in dem Brief, solle zugeben, dass er allein im Interesse der Wahrung des Images der Kirche und nicht im Interesse des Opfers gehandelt habe.

Der Brief, der in der Zeitung Het Nieuwsblad abgedruckt ist, trägt die Unterschriften zweier Priester, Geert De Decker und Jef Ravelingien sowie die von Marijke Deconinck von der Diakonie des Bistums Brügge.

"Nach wiederholtem Lesen des Textes über ihr Gespräch mit Vangheluwes Opfer ist unser Vertrauen schwer geschädigt (...). Je konzentrierter wir lesen, desto deutlicher scheint, dass Sie zu keinem Zeitpunkt mit dem Opfer mitfühlen. Sie haben in dieser Sache einfach dem Image der Kirche Vorrang gegeben. Das trifft uns direkt ins Herz und Gewissen."

"Dank des Erzbischofs Romero aus El Salvador sind wir für die Schwachen in unserer Gesellschaft offener geworden. Es schmerzt uns unendlich immer wieder feststellen zu müssen, dass Verlierern zuzuhören für die Kirche selten oder keine Priorität hat."

"Wir wagen zu hoffen, dass Sie öffentlich zugeben, dem Opfer unrecht getan zu haben. Für viele wäre das wohl ein starkes Signal (...) und Sie würden in unseren Augen nicht kleiner, sondern größer aus der Sache hervorgehen. Und inmitten von all dem Chaos und den Trümmern würde es der Kirche endlich Perspektiven für eine andere Zukunft eröffnen, mit der Aussicht auf einen aufrichtigen Neubeginn."

Jef Ravelingien, einer von denen, die den Brief entworfen haben, saß früher in einer Klasse mit Roger Vangheluwe und er kennt Kardinal Danneels schon seit 50 Jahren. "So wie ich ihn aus den Tonbändern verstehe oder eben nicht verstehe, kenne ich Danneels gar nicht. So ist er nicht", sagte Ravelingien gegenüber dem VRT-Radio. "Wir versuchen immer die Partei der Opfer zu ergreifen und das hätte er auch tun sollen. Ich hoffe natürlich auf ein mea culpa."

Was ist vorausgegangen?

Die Zeitung "De Standaard" hatte zuvor die Abschrift einer Aufnahme abgedruckt, die das Missbrauchsopfer von einem Gespräch Anfang April angefertigt hatte. Demnach soll Danneels versucht haben, das Opfer davon zu überzeugen, sich mit einer Entschuldigung zufrieden zu geben - oder das Ganze wenigstens nicht öffentlich zu machen, bevor sich Vangheluwe ein Jahr später von seinem Amt zurückziehen würde.

Vangheluwe, der frühere Bischof von Brügge, trat zwei Wochen nach dem Gespräch zurück. Er gab öffentlich den sexuellen Missbrauch an einem Jungen zu.