The Wall Street Journal greift De Gucht an

Die amerikanische Börsenzeitung The Wall Street Journal greift EU-Handelskommissar Karel De Gucht an. Der flämische Liberale kritisierte vergangene Woche in einem Radiogespräch den Einfluss der jüdischen Lobby in den USA in der Nahost-Friedensfrage.

Das Blatt setzt De Gucht in diesem Zusammenhang in eine Reihe mit dem verstorbenen österreichischen Rechtspopulisten Jörg Haider. Anlass der harschen Kritik des Wall Street Journals sind Karel De Guchts Äußerungen in Zusammenhang mit der Macht der pro-israelischen Lobbys in den USA.

Der flämische Liberale, ehemalige belgische Außenminister und heutige EU-Handelskommissar hatte in der vergangenen Woche im VRT-Radioprogramm "De ochtend - Der Morgen“ in Zusammenhang mit den Nahost-Friedensgesprächen zwischen Israels Premier Netanyahu und Palästinenserpräsident Abbas in Washington unter anderem gesagt, dass man unter anderem den Einfluss der jüdischen Lobby auf die amerikanische Politik nicht unterschätzen sollte.

Diese Kritik hatte letzte Woche recht harte Reaktionen in der jüdischen Welt ausgelöst und erreichte erst jetzt die Redaktion des Wall Street Journals, ein Blatt des Medienmagnaten Rupert Murdoch, dass nicht erst seit gestern regelmäßig mit Angriffen auf Belgien aufwartet.

Karel De Gucht hat Israel und der jüdischen Welt inzwischen längst seine Entschuldigung angeboten und die Europäische Kommission distanzierte sich von dessen Aussagen. Doch Murdoch und das Wall Street Journal verlangen von der EU-Kommission, dass sie De Gucht rügt und gehen noch einen Schritt weiter, in dem sie den flämischen Liberalen mit dem tödlich verunglückten früheren österreichischen Rechtspopulisten Jörg Haider vergleicht.

Damals habe Europa einen "cordon sanitaire" um die Regierungsteilnahme Haiders in der Alpenrepublik gespannt, so die Zeitung, die sich jetzt die Frage stellt, warum Europa gegen ihren Kommissar so mager reagiert. Das Blatt suggeriert deshalb, dass der amerikanische Präsident Barack Obama den bald anstehenden Gipfel zwischen den USA und der Europäischen Union auch "inks liegen lassen könnte."

The Wall Street Journal: "Wil Brussels Boycott De Gucht?", "EU Official in Troube for Remarks on Jews"

Barroso: Fall zu den Akten gelegt

Für José Manuel Barroso ist es nicht nötig, Sanktionen gegen den belgischen EU-Kommissar Karel De Gucht zu verhängen. Ein Sprecher des Kommissionsvorsitzenden gab an, der Fall sei zu den Akten gelegt worden.