Kirche will Mißbrauch neu anpacken

Am Montag haben die belgischen Bischöfe eine Pressekonferenz in Reaktion auf den Adriaenssens-Bericht gegeben. In diesem sind die Fälle von sexuellem Missbrauch in der Kirche versammelt. Der Bischof Antwerpens, Bonny, rief erneut alle Täter von Missbrauch in der Kirche dazu auf, sich anzuzeigen. Außerdem kündigte er die Einrichtung eines Zentrums für Anerkennung, Genesung und Versöhnung an.

Erzbischof André-Jozef Léonard, der als erster das Wort bei der Pressekonferenz am Montag ergriff,  betonte gleich zu Anfang, dass man das Problem des Mißbrauchs in der katholischen Kirche künftig anders anpacken wolle.

Die schweren Ereignisse hätten alle getroffen, nicht nur Priester und Pastoren, sondern auch ehrenamtliche Mitarbeiter und sämtliche Gläubige. Es sei nicht einfach, einen Ausweg aus diesem Dilemma zu finden, aber man werde den am Freitag veröffentlichten Adriaenssens-Bericht berücksichtigen und sich die Ratschläge von Pieter Andriaenssens zu Herzen nehmen, so der Erzbischof.

"Dass viele Opfer den Mut fanden, ihre Erlebnisse zu erzählen, war nötig."

Aufgrund der Beschlagnahmung der Akten bei der Adriaenssens-Kommission durch die Justiz, sei kostbare Zeit verloren gegangen. "Dies zeigt deutlich, dass künftig mehr mit der Justiz kommuniziert werden muss, um weiter zu gehen."

"Der Bericht verdient unsere größte Beachtung und deshalb wollen wir als erstes so viel wie möglich für die Opfer da sein", fügte Léonard noch hinzu.

9-Punkteplan der Kirche soll helfen

Im Anschluss daran erklärte der Antwerpener Bischof Johan Bonny, auf welche Art und Weise die Kirche künftig für die Opfer da sein wolle.

In diesem Zusammenhang stellte er einen 9-Punkteplan vor.

Als erstes soll ein Zentrum der Anerkennung, Genesung und Versöhnung errichtet werden. Vier Experten sollen mit den vorbereitenden Gesprächen hierfür beginnen. Die Namen der Personen könnten noch nicht genannt werden, weil noch nicht alle Parteien erhört worden seien, so der Antwerpener Bischof. Bonny sagte auch, dass die Kirche hoffe, dass dieses Zentrum bis Weihnachten eröffnet werden könne.

Als zweites ist vorgesehen, dass die vier Personen ein Gespräch mit allen betroffenen Parteien führen werden, also unter anderem mit den Opfern, dem Justiz- und Gesundheitsministerium und den zwischen den Diözesen bestehenden kirchlichen Gerichten. Sie sollen auch untersuchen, inwieweit Fragen finanzieller Art behandelt werden können und müssen. Dabei sollen sie auch Vorschriften für das neue Zentrum und dessen Arbeitsweise festlegen.

Monatlich werde ein Bericht von diesen Gesprächen veröffentlicht.

Als dritter Punkt, führte der Antwerpener Bischof die Akten der Adrianssens-Kommission an. Die Akten müssten den Bischöfen nicht zurückgegeben werden, betonte er, und falls dies dennoch geschehe, würden diese versiegelt und an einem neutralen Ort aufbewahrt. Falls die Akten zurückgegeben würden, so könnten die Opfer, die dies wünschten, ihre Akte zurückverlangen.

Als viertes betonte Bonny, dass sowohl vor als auch nach der Beschlagnahmung der Akten, Professor Adriaenssens die Bischöfe von mehreren Anzeigen individuell unterrichtet habe. Er habe die Bischöfe gebeten sowohl im Hinblick auf die Opfer als auch auf die Täter angemessen zu reagieren. "Wir werden die Probleme, über die wir inzwischen informiert sind, genauer unter die Lupe nehmen und die nötigen Maßnahmen treffen."

Im fünften Punkt rief Bonny erneut alle Täter von Missbrauch in der Kirche dazu auf, sich selbst anzuzeigen. "Damit beweisen sie der Kirche und der Gemeinschaft einen großen Dienst."

Worte wie "Sünde, Buße und Vergebung" seien beschmutzt worden. Sie verdienten eine Wiedergutmachung. Als sechster Punkt will die Kirche deshalb zusammen mit den Opfern  untersuchen, wie das Thema in der Kirche einen eigenen Platz bekommen kann.

Ein siebter Punkt bezieht sich auf die Erklärung der Kirche vom 19. Mai 2010, in der die Kirche mehrere konkrete Maßnahmen angekündigt hatte, die jetzt durchgeführt werden sollen. Die Kirche habe angefangen, einen Berufscode mit expliziten Regeln für Priester und für alle Mitarbeiter der Kirche zu entwickeln.  Diese Regeln sollen überall dort angewandt werden, wo Menschen in einem christlichen Verband oder in der Schule mit Kindern oder Jugendlichen zusammen arbeiten, also auch im katholischen Unterrichtswesen und in katholischen Jugendbewegungen.

Ein achter Punkt ist die Einrichtung einer Informationsstelle, die ab dem morgigen Dienstag operationell sein soll. Es ist keine neue Beschwerdeannahmestelle. Dort soll das Opfer aber Gehör finden und die Stelle arbeitet in Diskretion über Telefon und E-Mail.

Daneben können sich Menschen, die Hilfe brauchen, aber auch über Telefon oder E-Mail an das Zentrum für allgemeines Wohlsein wenden. Wer Anklage erheben möchte, könne dies auch weiterhin beim Magistrat Lieve Pellens in Brüssel.

Mit diesen Plänen will die Kirche eine Kontinuität in der Hilfe für die Opfer erreichen  und "mit der Vergangenheit ins Reine kommen", so der Antwerpener Bischof abschließend. 

"Es bedarf jetzt der Zeit und des Vertrauens, um die neue Richtung, die die Kirche eingeschlagen hat, zusammen mit allen Betroffenen zu gehen."

Léonard: "Rom urteilt über Vangheluwe"

Auf die Frage eines Journalisten, was nun mit Roger Vangheluwe, dem ehemaligen Bischof von Brügge, der jahrelang seinen Neffen missbrauchte, geschehe, antwortete Erzbischof Léonard: "Es ist die Aufgabe Roms, um in dieser Sache zu urteilen. Es ist nicht an Vangheluwe, um selbst zu bestimmen, was seine Strafe sein wird."

Unterdessen, so Léonard, sei versichert worden, dass Rom in einem angemessenen Zeitraum ein Urteil fällen werde.

 

                                                                                                                                                                                                 Uta Neumann