Vangheluwe vorerst keine Strafe vom Papst

Federico Lombardi, dem Sprecher des Vatikans zufolge werde der Papst Roger Vangheluwe, den ehemaligen Bischof von Brügge, der jahrelang seinen Neffen missbrauchte, vorerst nicht bestrafen. Der Papst habe bereits eine schnelle Entscheidung getroffen, indem er den Rücktritt Vangheluwes als Bischof akzeptierte. Er habe keine Informationen über weitere Maßnahmen gegen Vangheluwe.

Die Enthüllungen über den Umfang der Pädophilieskandale in der belgischen Kirche hätten den Papst sehr traurig gemacht, hieß es.

Vangheluwe hatte am Samstag eine Erklärung vorlesen lassen, in der er mitteilte, dass er die Abtei Westvleteren verlassen habe.

Obwol ihm viele Menschen rieten, sein Priesteramt nieder zu legen, hat er diesen Rat ignoriert. Das heißt, dass ihn nur der Vatikan noch dazu zwingen kann. Der Vatikan will ihn aber vorerst nicht weiter bestrafen. "Der Papst hat schon eine schnelle Entscheidung getroffen, indem er den Rücktritt Vangheluwes als Bischof akzeptierte", sagte Lombardi.

Vangheluwe sei bereits bestraft. "Er ist kein Bischof von Brügge mehr und er darf auch nicht mehr öffentlich als Priester eine Messe halten. Im Moment habe ich keine Informationen über andere spezifische Maßnahmen, die man noch nehmen könnte", so Lombardi.

"Bericht zeigt das Ausmaß des Leids"

Die Äußerungen des Vatikansprechers sind die erste Reaktion seit langer Zeit auf den Missbrauchsskandal in der belgischen Kirche.

Lombardi reagierte auch auf den Bericht der  Adriaenssens-Kommission. "Der Papst war sehr betroffen von dem Bericht. Er zeigt noch einmal das Ausmaß des Leids der Opfer", sagte er gegenüber dem frankophonen öffentlich-rechtlichen Sender RTBF.

Benedikt XVI. unterstütze zudem die neue Initiative der Errichtung eines neuen Zentrums der Anerkennung, Genesung und Versöhnung.

Harpigny: "Ein Signal ist nötig"

Inzwischen hat der Bischof von Tournai Guy Harpigny von der Nuntiatur in Brüssel, also der Botschaft des Vatikans, erfahren, dass noch vor Weihnachten weitere Maßnahmen gegen den ehemaligen Bischof Vangheluwe genommen werden sollen.

"Der Papst wird schon bald ein Signal im Fall Vangheluwe setzen", sagte Bischof Harpigny, der für die Akten über sexuellen Missbrauch in der Kirche zuständig ist, einen Tag nach den Äußerungen des Papstes.

Die Äußerungen des Papstes am Montagabend reichen Harpigny nicht aus. Er hofft auf einen Kirchenprozess. Das wäre besser, denn dann könnte sich Vangheluwe auch verteidigen, so Harpigny.

Bischof Harpigny sagte im VRT-Radio am Dienstagmorgen auch noch, dass die Kirche am Montag eine Chance verpasst habe, um mea culpa zu sagen. Harpigny sei zudem von Kardinal Danneels enttäuscht.

Die Kirche hatte Angst vor den Folgen, Angst, dass die Opfer Geld wollen. Harpigny will jedoch um Verzeihung bitten: "Institutionell muss ich wohl annehmen, dass ich verantwortlich bin und möchte daher im Namen der Kirche um Verzeihung bitten."