Missbrauch in der Kirche: Was nun?

Justizminister Stefan Declerck (Foto) ist kein Befürworter einer parlamentarischen Untersuchungskommission zum Sexualmissbrauch in der Kirche. Ein solcher Untersuchungsausschuss war von Grünen, Sozialisten und Liberalen gefordert worden.

Der Justizausschuss der Kammer – das Unterhaus im belgischen Bundesparlament - trat gestern verfrüht zusammen, um den Sexualmissbrauch in der Kirche zu besprechen.

Dabei ging es vor allem darum ob ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss diese Missbrauchsfälle prüfen soll. Auch muss geklärt werden ob es weiterhin nur der Kirche überlassen bleibt, sich mit diesen Missbrauchsfällen auseinanderzusetzen.

Die Parlamentarier wollen wissen, wie es möglich war, dass der Sexualmissbrauch durch Geistliche so lange ungestraft blieb. Deshalb forderten Grüne, Sozialisten und Liberale die Einberufung einer Untersuchungskommission.

Eine solche lehnen aber flämische Christ- und Nationaldemokraten - CD&V und N-VA - ab. Sie befürchten, dass die Anonymität der Opfer dann nicht mehr gewährleistet ist.

Beide Parteien schlugen die Gründung eines Expertenausschusses vor, der unabhängig von Politik und Kirche den jahrzehntelangen Missbrauchsskandal untersucht. Dieser Position schloss sich auch Bundesjustizminister Declerck an. Er stellte aber klar, dass das Parlament in dieser Frage das letzte Wort hat und forderte alle betroffenen Opfer auf, ihren Fall der Justiz zu melden. Die sei am ehesten befähigt die notwendigen Schritte zu unternehmen.