Lernout & Hauspie für schuldig befunden

Das Berufungsgericht von Gent hat Jo Lernout und Pol Hauspie der Urkundenfälschung und der Manipulation von Bilanzen ihres ehemaligen Unternehmens für schuldig befunden. Sie sind zu je 3 Jahren Haft ohne Bewährung verurteilt worden. Zuvor hatte das Gericht bereits von Betrug bei den Tochterunternehmen von Lernout & Hauspie gesprochen.

Das System der zahlreichen kleinen Nebenbetriebe von Lernout & Hauspie war zumindest teilweise auf Betrug aufgebaut. Das ist der Kern des Urteils des Genter Berufungsgerichts im Prozess gegen Lernout & Hauspie.

Das Gericht befindet deshalb die ehemaligen Gründer des Unternehmens, Jo Lernout und Pol Hauspie sowie das ehemalige geschäftsführende Vorstandsmitglied Nico Willaert und den ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Gaston Bastiaens der Urkundenfälschung und der Manipulation von Geschäftsbilanzen  für schuldig.

Jo Lernout und Pol Hauspie sind jeweils zu 3 Jahren Gefängnis ohne Bewährung verurteilt worden.

Zuvor hatte das Gericht den Betrug bei den so genannten LDCs (Language Development Companies), einem Netzwerk aus kleinen Nebenbetrieben von Lernout & Hauspie, als erwiesen erachtet.

Die Richter urteilten, dass die LDCs zunächst tatsächlich echt waren, aber nach 1999 die Bilanzen von L&H verschönen sollten und dass die Verträge betrügerisch waren. Es waren gerade die Scheingeschäfte der LDCs, die als Ursache für den Untergang von L&H gesehen werden können.

Die Klage wegen Betruges bei der Aktienausgabe ist für unzulässig erklärt worden. Außerdem hat das Gericht den Umfang der Betrugssumme vermindert.

Dexia und KPMG gehen frei aus

Die beiden Verdächtigen, die Bank Dexia und das Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen KPMG, kommen ungestraft davon. Dadurch fallen Forderungen von respekive 29 Millionen Euro und 8 Millionen Euro gegen die beiden Einrichtungen weg.

KPMG stand vor Gericht, weil es als Wirtschaftsprüfungsunternehmen von L&H den Betrug hätte bemerken müssen. Dexia ist nach den Tatbeständen mit Artesia, die seinerzeit die Hausbank von L&H war, fusioniert.

Der Freispruch beider Einrichtungen hat schwere Folgen für die betrogenen Aktionäre. Die Chance, dass diese nun einen Schadensersatz bekommen, ist sehr klein geworden.

Juristen und ex-Spitzenmanager FLV auch unschuldig

Zuvor waren auch die Klagen gegen vier andere Verdächtige für unzulässig erklärt worden. Es handelt sich um die Firmenanwälte von L&H Philip Beernaert, Patrick Deschrijver und Christophe Lamar sowie den ehemaligen Spitzenmanager des Investitionsfonds FLV Fund, Philippe Vermeulen.

Sie fanden, dass sie viel zu spät von den Untersuchungsrichtern unter Verdacht gestellt wurden, was grundlegend gegen die Rechte ihrer Verteidigung verstoße. Das Gericht gab ihnen Recht und deshalb gehen die vier frei aus.
 

2.100 Seiten langes Urteil

Am Montagmorgen hat der Vorsitzende des Berufungsgerichts von Gent, Robert Pieters (Foto), das Urteil im Fall Lernout & Hauspie verlesen. Es ist 2.100 Seiten lang. Der Vorsitzende beschränkte sich auf das Wesentliche, sonst hätte er wahrscheinlich die ganze Woche lesen müssen.

Vor Gericht standen 21 Verdächtige, darunter die ehemaligen Spitzenmanager Jo Lernout, Pol Hauspie, Gaston Bastiaens und Nico Willaert. Sie waren selbst beim Prozess anwesend, genauso wie Philippe Vermeulen. Die meisten anderen ließen sich durch ihre Anwälte vertreten.