Antwerpen bekommt 3,2 Mia.-Euro-Tunnel

In Antwerpern wird das letzte Stück des Rings im Norden der Stadt durch einen Tunnel geschlossen. Das hat die flämische Regierung definitiv entschieden. Nach langen Verhandlungen wurde damit der Bau der Brücke Lange Wapper ad acta gelegt.

Die Verwaltungsgesellschaft Antwerpen Mobiel (BAM) hat die Strecke unter Leitung des ehemaligen Bahnchefs Karel Vinck (kleines Foto, rechts im Bild) entworfen. An der Strecke ansich wird nichts verändert. Anstelle der Prestigebrücke kommt nun jedoch ein unterirdischer Tunnel.

Das ganze Projekt kostet die flämische Regierung rund 3,2 Milliarden Euro. Ein Teil hiervon soll mit Tunnelbenutzungsgebühren finanziert werden.

Um die Kosten zu reduzieren, wird der Tunnel gegraben und nicht gebohrt. Vermutlich wird es während des Baus deshalb zu mehr Belästigung für die Umwohnenden kommen.

Weiter will die Stadt einen Teil der Kosten wieder herein holen, indem sie Grundstücke über dem Tunnel verkauft. Da dort künftig keine Brücke stehen wird, steigen die Grundstückspreise.

Trotzdem kostet der Tunnelbau 352,7 Millionen Euro mehr als der Bau einer Brücke. Bedingung für den Bau des Tunnels war, dass sich die Mehrkosten nicht auf den Haushalt der flämischen Regierung niederschlagen. Die Mehrkosten sollen deshalb von der Stadt Antwerpen und dem Hafen gemeinsam getragen werden.

Das Projekt einer Brücke ist damit defintiv vom Tisch.

Der gesamte Bau soll 2021 fertig gestellt sein. Ziel des Tunnels ist die drastische Reduzierung von Staus in und um Antwerpen. Die bestehenden Fahrbahnen des Antwerpener Rings werden nicht verbreitert.

Die Diskussion über das gesamte Projekt, also über die Lösung zur Schließung der letzten Lücke im Ring um Antwerpen, hat ganze 15 Jahre gedauert.

Spannungen in der Stadtverwaltung

Innerhalb des Antwerpener Stadtrats gibt es auch Stimmen, die gegen den Tunnelbau sind.

Der sozialistische Bürgermeister Patrick Janssens (SP.A, Foto) punktet bei vielen Einwohnern von Antwerpen, indem das Projekt der Brücke, die Lange Wapper, nun endgültig begraben ist. Er wollte einen Tunnel und keine Brücke. Die flämischen Nationaldemokraten hingegen wollten eine Brücke und keinen Tunnel. Bart De Wever von der N-VA ist dennoch zufrieden, weil endlich ein Kompromiss gefunden worden ist und  dies sei besser als keine Entscheidung.

Die Liberalen von der Open VLD, die zwar nicht auf flämischem Niveau, also nicht in der Koalition von Ministerpräsident Peeters vertreten sind , wohl aber im Antwerpener Stadtrat, hatten wissen lassen, dass sie keine Mehrkosten für das Projekt akzeptierten.

Auch unter Flughafen wird Tunnel gebaut

Am Rande des Tunnelentschlusses von Mittwoch hat die flämische Regierung noch eine andere Entscheidung getroffen.

Unter dem Flughafen von Deurne kommt ein weiterer Tunnel.

Der soll unter der R11 entstehen. Wo genau der Tunnel unterirdisch sein wird und an welcher Stelle er wieder aus dem Grund ragt, muss noch geklärt werden.

Die Regierung hatte aufgrund von Richtlinien der Europäischen Union nicht viele alternative Möglichkeiten. Eine Schleife um den Flugplatz war wegen des Fledemausschutzgebietes dort nicht möglich. Für den Flughafen bedeutet der Tunnel eine positive Nachricht, denn der Flughafen kann nun ausgebaut werden.