Umfrage: Nationalisten 4,8% mehr als im Juni

Wären heute Wahlen, stellten die flämischen Nationaldemokraten der N-VA die weitaus größte Partei in Flandern. Das geht aus einer jüngsten Umfrage unseres Senders VRT und der Zeitung De Standaard hervor. Der rechtsextreme Vlaams Belang hingegen wäre der große Verlierer und würde unter die 10-Prozent-Marke fallen.

Befragt wurden 1.014 Flamen. Die Umfrage wurde zwischen dem 20. September und dem 5. Oktober durchgeführt.

33 Prozent der Befragten würde die N-VA heute wählen. Das ist eine Zunahme um 4,8 Prozent im Vergleich zu den Wahlen vom Juni 2010. Schon im Juni hatte die Partei sehr starke 28,2 Prozent und würde ihre Position heute trotz der schwierigen Regierungsverhandlungen also noch weiter festigen.

Vielleicht sind jedoch gerade die Regierungsverhandlungen für das gute Ergebnis verantwortlich, denn alle an den Verhandlungen teilnehmenden Parteien werden für ihren Einsatz offenbar belohnt, wenn auch weniger offensichtlich als die N-VA.

Der Umfrage zufolge bleibt die flämische christdemokratische Partei CD&V die zweitgrößte Partei mit 18,1 Prozent und einer geringen Steigerung um 0,5 Prozent im Vergleich zum letzten Juni. Auch die flämischen Sozialisten würden einen kleinen Gewinn von 1,6 Prozent verbuchen und  mit 16,6 Prozent die drittgrößte flämsiche Partei bleiben. Die Grünen Groen! würden wiederum um 0,7 Prozent zulegen und auf 7,8 Prozent  der Stimmen kommen.

Nicht-Verhandlungspartner sind die großen Verlierer

Wären heute Wahlen, würden die Parteien, die nicht am Verhandlungstisch zu den Regierungsverhandlungen sitzen, als die großen Verlierer dastehen. So würde laut Umfrage der rechtsextreme Vlaams Belang nur noch 9,6 Prozent der Stimmen auf sich vereinigen. Das kommt einem Verlust von 3 Prozent gleich. Damit fällt die Partei unter die psychologische Grenze von 10 Prozent.

Der Verlust der rechtsliberalen Liste Lijst Dedecker wäre weniger groß: 1,2 Prozent. Die Partei ist jedoch mit 2,5 Prozent meilenweit von der Fünfprozentklausel entfernt. Der Glanz dieser Partei scheint endgültig verblasst zu sein.

Auch die liberale Open VLD muss nach dieser Umfrage herbe Schläge einstecken. Die Partei würde 1,6 Prozent der Wählerstimmen verlieren und bei 12,4 Prozent stranden. Der Streit um die Oosterweel-Verbindung (Schließen des Antwerpener Rings: Brücke oder Tunnel) in Antwerpen scheint der Partei jedenfalls nicht gut getan zu haben.

N-VA holt Stimmen aus Zentrum und rechtsextremen Parteien

Für die N-VA scheinen die Bäume derzeit in den Himmel zu wachsen. Die Partei hat ein sehr breites Wählerpotenzial. Von allen Befragten kann sich 50,1 Prozent vorstellen, irgendwann einmal die Partei zu wählen.

Trumph der Partei: Sie holt sich ihre Wähler aus allen Parteien, vor allem aus dem Zentrum und bei den rechtsextremen Parteien. Die Gewinne, die die N-VA verbuchen würde, gehen in erster Linie auf Kosten der Open VLD, des Vlaams Belang und der Lijst Dedecker, die ihren Wähleranteil stark zurückgehen sehen. Wähler dieser drei Parteien - plus der CD&V - sehen in der N-VA eine erste Alternative, sobald sie sich in der Wahlkabine entscheiden müssen.

Zehn beliebtesten Politiker in Flandern

Beliebtester Politiker in Flandern ist mit Abstand der N-VA-Vorsitzende Bart De Wever (Foto). Er bringt laut Umfrage fast die Hälfte der Stimmen hinter sich. Genau 48 Prozent der Befragten könnte sich vorstellen, De Wever zu wählen. Kris Peeters würde 40 Prozent und Frank Vandenbroucke 35 Prozent wählen.

54 Prozent der Befragten ist übrigens für einen Umbruch, bei dem der Schwerpunkt der Politik auf die Gemeinschaften und Regionen übertragen wird. Wie dieser Umruch genau aussehen soll, darüber ist man sich nicht ganz einig. Einer von drei Befragten (36 %) will einen Föderalstaat mit mehr Kompetenzen für die Teilstaaten. 18 Prozent will ein unabhängiges Flandern und Wallonien.

Die zehn beliebtesten Politiker in Flandern sind:

1. Bart De Wever N-VA)
2. Kris Peeters (CD&V)
3. Frank Vandenbroucke (SP.A)
4. Yves Leterme (CD&V)
5. Johan Vande Lanotte (SP.A)
6. Alexander De Croo (Open VLD)
7. Inge Vervotte (CD&V)
8. Hilde Crevits (CD&V)
9. Bruno Tobback (SP.A)
10. Freya Van den Bossche (SP.A)