75 Todesfälle bleiben pro Jahr ungelöst

Jedes Jahr bleiben in Belgien nach Schätzungen bis zu 75 Morde oder Selbstmorde unaufgeklärt, weil Todesfälle fälschlicherweise als "natürlich" angesehen werden. Ein neuer Leitfaden der Gerichtspolizei soll Abhilfe schaffen.

Die Gerichtsabteilung der belgischen Bundespolizei hat in diesen Tagen einen Leitfaden in Buchform veröffentlicht, der sich am Polizeibeamte, Ärzte und Staatsanwälte richtet.

Dieser Leitfaden soll helfen, seltsam anmutende Todesfälle zu entdecken und beinhaltet den Aufruf, jeden dieser Fälle als verdächtig anzusehen.

Verschiedene Gründe können dazu führen, dass ein Mord nicht entdeckt wird. Eine Schwachstelle kann der Arzt sein, der den Totenschein ausstellen muss, wie Polizeikommissarin Karen Plasschaert angibt: "Dieser beruft sich auf das Fehlen von äußerlichen Merkmalen, zum Beispiel Hinweise auf Gewaltanwendung, und stellt einen natürlichen Sterbefall fest, ohne nach einer Autopsie zu fragen, die innere Verletzungen hervorbringen kann."

Weitere Gründe können unerfahrene Polizisten sein, die als erste vor Ort bei einem festgestellten Todesfall sind. Sie haben meist keine Ausbildung in diesem Bereich und können dadurch die falschen Schlussfolgerungen ziehen, so Polizistin Plasschaert: "Zum Beispiel können Einbruchsspuren fehlen, die auf eine dritte Person schließen lassen könnten, die im Raum, in dem der Tote gefunden wurde, gewesen sein könnten."