"Aids ist eine Form der Gerechtigkeit"

Erzbischof André-Joseph Léonard (Foto) hat ein Buch mit dem Titel "Gespräche" veröffentlicht, in dem er über seine Jugend, seine Laufbahn und seine Ideen spricht. Darin nennt er Aids eine Form der Gerechtigkeit und löst damit eine weitere Debatte zur Rolle der Kirche in Belgien aus.

Erzbischof Léonard führte eine Reihe Gespräche über sein Leben, seine Laufbahn in der Katholischen Kirche und seine Ansichten mit den Journalisten Dominique Minten und Louis Mahoux. Diese Gespräche sind nun in Buchform erschienen.

Eine seiner Thesen ist, dass die Immunschwächekrankheit Aids eine Form der Gerechtigkeit darstellt.

Nun ist Léonard nicht unbedingt als progressiver Vertreter der Kirche bekannt und in dem Buch "Gespräche“ nimmt er denn auch kein Blatt vor den Mund. Das Thema Aids vergleicht er mit den von den Menschen selbst verursachten Umweltproblemen, wie die Erderwärmung.

Jürgen Mettepenningen (Foto), der Sprecher des Erzbischofs, hatte das Buch vor der Veröffentlichung zur Korrektur gelesen und einige Punkte angedeutet, die er für gefährlich hielt. Darunter eben jene These zu Aids und auch die Aussage, dass Homosexualität eine verkehrte Auffassung der Sexualität an sich sei.

Doch im VRT-Frühstücksradio sagte Mettepenningen, dass Léonard diese Sätze stehen ließ: "Er sagte dazu, dass er nicht anders könne, als schreiben, was er denke.“ Der Sprecher des Erzbischofs gab an, eben ein Sprecher zu sein und kein "Bestimmer von Worten“. Er nannte Léonard in diesem Zusammenhang gradlinig aber nicht gefühllos.

Aussage löst heftige Reaktionen aus

Wie nicht anders zu erwarten war, blieben teils heftige Reaktionen auf Erzbischof Léonards Theorien zu Aids und zur Homosexualität nicht aus.

Jan Rogiers, Abgeordneter für Flanderns Sozialisten SP.A im flämischen Landesparlament nannte die Aussage, das "Aids eine Form immanenter Gerechtigkeit ist“, widersinnig seien. eIch frage mich, welche schmerzhafte und tödliche Krankheit er seinen Priestern, die sich an Kindern versündigt haben, wünscht.“

Die grüne flämische Bundesabgeordnete Eva Brems (Groen!) fordert, dass das belgische Bundesparlament die Aussagen Léonards verurteilt. Brems will eine starke Gegenaussage: "In unserem Land herrscht die freie Meinungsäußerung, auch wenn man Dummheiten sagen will. Leider macht es die Trennung von Kirche und Staat schwer, Léonard zurecht zu weisen. Doch eine derartige Aussage von jemandem in einer derartig moralischen Position verlangt eine starke Reaktion.“