"Die Sicherheit bei der Bahn ist bedenklich"

Nach dem Zwischenbericht der Kommission, die das Zugunglück von Buizingen vom 15. Februar 2010 analysiert, geraten das Management der belgischen Eisenbahngesellschaft NMBS/SNCB und die politisch Verantwortlichen immer stärker in die Kritik.

In ihrem Zwischenbericht vermelden die Ausschussmitglieder nicht viel Positives über die Führung der Bahn. So soll die Bahnspitze in den vergangenen 30 Jahren im Bereich Sicherheit die falschen Beschlüsse getroffen haben.

Zudem habe sie halsstarrig an ihren erwiesenermaßen falschen Sicherheitsstandards festgehalten. Der Ausschuss wirft den Verantwortlichen regelrecht eine "Betriebsblindheit" vor. In den vergangenen Jahren habe es europaweit neue Systementwicklungen gegeben, die die belgische Bahn einfach nicht übernehmen wollte. Offenbar wollte man in Belgien ein eigenes System entwickeln, um so für Aufträge für die heimische Industrie zu sorgen.

Den Verantwortlichen für die belgische Bahn wird auch vorgeworfen, für die Sicherheit nicht ausreichend finanzielle Mittel freigemacht zu haben, obschon sie Kenntnis davon hatten, wie teuer diese Sicherheit eben ist.

Nach dem Zugunfall von Buizingen mit 19 Toten und Dutzenden Verletzten, bei dem zwei Personenzüge zusammengestoßen waren, nach dem einer der Lokführer ein rotes Haltesignal ignoriert hatte, habe die NMBS/SNCB das so genannte System TBL1+ verschnellt eingeführt.

Doch nach Ansicht von Fachleuten reicht dieses Sicherheitssystem nicht aus, um ähnliche Unfälle zu verhindern. Die Fehlerquote sei wesentlich zu hoch.

Ein Mitglied der Sonderkommission für die Sicherheit der Bahn rät den politisch Verantwortlichen denn auch, deutlich mehr Geld in sichere Signalsysteme und Fahrzeuge zu investieren.

Was ist TBL1+?

TBL steht für "Transmission Balise Locomotive“ und ist ein Zugbeeinflussungssystem der belgischen Bahn, das einen Zug automatisch bremst, wenn er ein Haltesignal überfährt.

Das System besteht aus einer so genannten Balise (eine Art Transponder), die auf den Gleisen angebracht wird, und einem Empfangsgerät (eine Art Antenne) an Bord der Lokomotiven der NMBS/SNCB.

Die Systemvariante TBL1+, ein Produkt des französischen Bahnfahrzeug- und Infrastruktur-Herstellers Alsthom - Werk Charleroi in Belgien - soll bis Ende 2012 auf 85 % des belgischen Gleisnetzes und in allen Lokomotiven und Triebfahrzeugen der Bahn installiert werden.

Allerdings ist TBL1+ nur eine Übergangslösung vor dem bald europaweit einzuführenden Sicherheitssystem ECTS.