Wallonien Deutschland angliedern?

War das ein Witz oder hat er das tatsächlich ernst gemeint, fragen sich die Belgier nachdem ihr Umwelt- und Energieminister Paul Magnette in einem Interview sagte: "Wenn sich Wallonien eines Tages irgendwo angliedern muss, dann an Deutschland."

Das liege mehr im industriellen Interesse von Wallonien, so der Minister zur Zeitung "La Libre Belgique". "Bei uns brennt kein Auto, denn wir reden miteinander. Hier  bekommen wir nicht plötzlich von einer autoritären Regierung eine Rentenreform aufgezwungen. Wir verhandeln mit den Gewerkschaften."

Es bestehe ein kultureller Bruch zwischen dem  französischsprachigen Wallonien und Frankreich. Deutschland stehe dem südlichen Landesteil Wallonien hinsichtlich der politischen Kultur näher als Frankreich. Deutschland besitze ein "System der sozialen Konzertierung", das dem wallonischen System ähnlich sei. Die Deutschen wüssten, wie man Koalitionen schliesse.

Über das Ende des Landes zu verhandeln sei jedoch viel schwieriger als über eine Staatsreform, die aus der seit Monaten dauernden Krise führen soll. Eine Umsetzung des Plans B sei deshalb viel komplizierter als die des Plans A. 

Es handele sich deshalb nur um Gedankenspiele, betonte Magnette. Man müsse halt vorbereitet sein, fügte er noch hinzu, denn "sind wir es nicht, könnte man uns vorwerfen nicht vorausschauend gehandelt zu haben."

Wars nur ein Witz?

Der prominente belgische Politiker und Universitätsprofessor stammt selbst aus Wallonien.

Bei anderen wallonischen Spitzenpolitikern stieß Magnette auf wenig Begeisterung mit seiner Idee zum Deutschlandanschluss seiner französischsprachigen Heimat.

Man dürfe doch nicht vergessen, dass die Wallonen die gleiche Sprache wie de Franzosen sprächen und dass es deshalb eine größere kulturelle Nähe zum südlichen Nachbarland gebe als zu den Deutschen, hiess es kurz angebunden.

In den französischsprachigen Medien wird der Vorstoß Magnettes als misslungener Witz abgetan.