Erzbischof Léonard weiter unter Druck

Der Vorsitzende der Belgischen Bischofskonferenz, Erbischof André-Joseph Léonard, soll zurücktreten. Das forderten unter anderen Kirchenzeitungs-Chefredakteure, katholische Laien und Lehrkräfte der Katholischen Universität Löwen.

Auch der Kirchenrechtler und christdemokratische Senator Rik Torfs (CD&V - Foto) verlangte den Rücktritt des Erzbischofs. Er bezweifelte allerdings, dass der Papst sich mit dieser Angelegenheit innerhalb der katholischen Kirche in Belgien beschäftigen würde.

Er sprach außerdem von einem völligen Vertrauensverlust und einer Führungskrise in der belgischen Kirche. Am vergangenen Dienstag war der Pressesprecher von Erzbischof Léonard, Jürgen Mettepenningen, zurückgetreten und hatte schwere Vorwürfe gegen Léonard erhoben. Unter anderem hatte er ihn mit einem Geisterfahrer auf der Autobahn, der als einziger glaubt, dass er richtig handelt, verglichen.

Erzbischof Léonard steht unter anderem deshalb heftig in der Kritik, weil er Aids als Konsequenz von Fehlverhalten und als Form „immanenter Gerechtigkeit“ bezeichnet hatte. Zudem schockierte er wiederholt mit Auslassungen über Homosexualität und er plädierte zuletzt auch für eine Verschonung von betagten Priestern, die sich des Kindesmissbrauchs schuldig gemacht haben.

Offener Brief

Am Mittwoch veröffentlichte Erzbischof Léonard einen offenen Brief, in dem er sich allerdings nicht explizit für seine höchst umstrittenen Aussagen entschuldigt.

Er gibt darin aber mit Nachdruck an, dass seine Thesen falsch verstanden oder aus ihrem Kontext gerissen wurden. Mit seinem Schreiben wolle er sich jenen verständlich machen, denen er Schmerz zugefügt habe, so Léonard.