Die Löhne in Belgien steigen wieder schneller

Die Löhne und Gehälter der belgischen Arbeitnehmer, die in der Privatwirtschaft arbeiten, sind im Zeitraum 2009-2010 schneller angestiegen, als in den Nachbarländern, wie die Tageszeitung De Standaard meldet.

Die Zahlen kommen aus einer jährlichen Studie zur Gehaltsentwicklung von Seiten des Zentralen Rats für die Unternehmenswelt (CRB). Diese Studie wird zwar erst in der kommenden Woche offiziell vorgestellt, doch die Redaktion von De Standaard konnte die Statistiken bereits vorab konsultieren.

Traditionell leiten die CRB-Zahlen jedes Jahr den Start für die nationalen Tarifverhandlungen zwischen Belgiens Gewerkschaften und den Unternehmerverbänden ein.

Dabei wird die Lohn- und Gehaltsentwicklung für den Zeitraum 2011-2012 besprochen und festgelegt. Nach dem geltenden Gesetz zur Gewährleistung der Wettbewerbsfähigkeit dürfen die Löhne und Gehälter in Belgien eigentlich nicht schneller steigen, als in den drei Nachbarländern, die uns umgeben.

Der Zentrale Rat für die Unternehmenswelt muss diese Entwicklung im vergleich mit Deutschland, Frankreich und den Niederlanden beobachten. Nach den aktuellen Zahlen stieg das Lohnniveau in diesen drei Ländern zwischen 2009 und 2001 um 3,4 %, während im gleichen Zeitraum der Anstieg bei uns in Belgien bei 3,9 % lag.

Dieser schnellere Gehaltsanstieg ist auf mehrere Faktoren zurückzuführen: Auf die Indexanpassung der Einkommen in Höhe von 3,4 %, die sich an den gestiegenen Verbraucherpreisen orientiert und auf den so genannten „Lohndrift“, der durch individuelle Festlegung von Gehaltstarifen in den Unternehmen selbst entsteht.

Schlechte Entwicklung für die Konkurrenzfähigkeit

Die Tatsache, dass Löhne und Gehälter in Belgien schneller steigen, als in den Nachbarländern erweist sich als schlechter Dienst für die Konkurrenzfähigkeit unseres Landes.

Die Unternehmer werden, wie schon in den Jahren zuvor, die CRB-Studie als Argument für Lohnmäßigung nutzen. Doch seit 1997, als die Regierung Dehaene das Gesetz zur Wahrung der Konkurrenzfähigkeit durch Lohnmäßigung in Kraft treten ließen, stiegen die Einkommen in Belgien um 43,4 %. In Deutschland, Frankreich und den Niederlanden hingegen wuchsen sie nur um 38,1 %.

Die Gewerkschaften werden wohl anführen, dass der Unterschied in der Lohnkluft nur 0,5 % beträgt, wie De Standaard erwartet. Sie werden auf höhere Gehälter pochen und weiter auf die mittlerweile seht umstrittene automatische Indexanpassung der Einkommen bestehen. Dieser könnte laut CRB in den kommenden beiden Jahren bei 3,9 % liegen. Der durchschnittlich zu erwartende Einkommensanstieg in unseren Nachbarländern wird bei 5 % liegen. Grund genug für die Arbeitnehmervertreter, hitzige Tarifverhandlungen zu führen.