Blick in Belgiens Wochenendpresse

Das wichtigste Thema in den meisten Zeitungen ist der angekündigte Konkurs des Geldtransporters Brink's Belgien. Brink's entscheidet sich für das soziale Blutbad, titelt De Standaard. Die Zeitung schreibt: "Das sind Cowboys!".

Unterschiedlich sind die Zahlen zum erwarteten Arbeitsplatzverlust. Le Soir glaubt, dass 430 Stellen verloren gehen, La Dernière Heure spricht von 450 geopferten Arbeitsplätzen, De Tijd von 466.

"Rivalen interessieren sich für die Brink's-Kunden" schreibt De Tijd; Konkurrent G4S prüft, ob er Brink's-Personal und -Kunden übernehmen kann.

Der Brink's–Konkurs ist auch das zentrale Kommentarthema

Het Belang van Limburg meint: Das Problem war, dass jeder absolut Recht behalten wollte. Die Gewerkschaften verteidigten mit alle Mitteln das Personalstatut der Angestellten, die Geschäftsführung bestand auf einem Wechsel zum Arbeiterstatut. Es ist zu befürchten, dass der Sozialkonflikt bei Brink's mittlerweile symptomatisch ist für das immer schwierigere Verhältnis zwischen Gewerkschaften und Arbeitgebern.

Het Nieuwsblad glaubt nicht, dass Brink's am völlig überholten Unterschied zwischen Arbeitern und Angestellten gescheitert ist. Das eigentliche Problem ist vielmehr, dass unsere Sozialgesetzgebung zu starr ist, um sich dem sich verändernden Arbeitsmarkt schnell genug anpassen zu können und wettbewerbsfähig zu bleiben. Was im Falle Brink's aber auch eine wichtige Rolle gespielt hat, ist die Tatsache, dass die Entscheidungsmacht nicht mehr in Belgien, sondern im weit entfernten Amerika lag, und dort kommt es nur auf die Zahlen an.

Das sieht auch La Libre Belgique ähnlich: Wieder mal beweist die Brink's-Episode, wie machtlos die belgische Politik ist, wenn es darauf ankommt, in einem Sozialkonflikt zu vermitteln, bei dem die Entscheidungszentren sich außerhalb unserer Grenzen befinden. Es besteht die absolute Notwendigkeit, unsere Wirtschaft und unsre Unternehmen wieder zu stärken, damit die Arbeitsplätze erhalten bleiben.

Angleichung Personalstatut notwendig

De Tijd ist überzeugt dass der Wechsel im Personalstatut der Brink's-Fahrer nur ein falscher Vorwand war, um einen Konkursantrag stellen zu können. Brink's wollte sich sowieso von der belgischen Filiale verabschieden und suchte nach einem Mittel, um die Kosten hierfür auf die Gesellschaft abwälzen zu können.

L'Avenir kommentiert: Die Brink's-Beschäftigten hätten als Arbeiter weniger verdient. Man kann sich durchaus vorstellen, hiermit einverstanden zu sein, um den eigenen Arbeitsplatz und das Überleben des Unternehmens zu retten. Ein solcher Schritt ist aber nur möglich, wenn gegenseitiges Vertrauen herrscht. An dieser Voraussetzung ist es im Fall Brink's gescheitert.

Etwas kritischer sieht das Het Laatste Nieuws im Leitartikel: Natürlich ist es sehr zu bedauern, dass jetzt mehr als 400 Arbeitnehmer auf der Straße stehen. Mit schuld sind an dieser Entwicklung aber auch die Politik, die Gewerkschaften und die Arbeitgeber. Schon längst war die Angleichung des Personalstatuts von Arbeitern und Angestellten überfällig. Bisher wollte die Politik aber nie eingreifen, und die Sozialpartner haben bisher immer einen Kompromiss in dieser Sache kategorisch abgelehnt.

Zynischer Cowboykapitalismus

Le Soir geht hart mit dem Brink's-Management ins Gericht: Klar ist es so, dass die belgische Filiale schon seit Jahren rote Zahlen schrieb. Das Management dieses amerikanischen Unternehmens hat es bisher aber unterlassen, ihre Belegschaft hierüber korrekt zu informieren. Auch jetzt fehlt ihnen der Mut, ihre Entscheidung zur Schließung der Niederlassungen zu argumentieren. Das ist ein Akt der Fahrerflucht. Es fehlt an Verantwortungssinn. Dies ist der reinste Zynismus, schreibt Le Soir.

De Morgen schließlich meint: Belgien hat sich schon vor Jahrzehnten gegen den Cowboykapitalismus entschieden. Hier verhandeln die Sozialpartnern. Das Brink's-Mangament behauptet nun, sich mit dieser Verhandlungskultur nicht auszukennen. Das kann aber wirklich keine Entschuldigung sein.

Redaktion: Klaus Haas