Hochwasser: Flandern säuft ab

Der Dauerregen hält in Flandern Feuerwehr und Hilfsdienste seit Samstag in Atem. Viele Wasserläufe haben sehr hohe Pegel erreicht und sind über die Ufer getreten. Betroffen sind vor allem Ortschaften in Flämisch Brabant.

In den Kommunen Halle, Sint-Pieter-Leeuw und Beersel spitzt sich die Lage noch weiter zu. Der Kanal Brüssel-Charleroi ist hier über seine Ufer getreten. Sehr viele Wohnungen mussten deshalb evakuiert werden. „Eine solche Flut haben wir hier noch fast nie gesehen“, hieß es in Beersel. Auch im Brüsseler Nordrand, unter anderem in Londerzeel, ist die Situation kritisch.

Am schlimmsten getroffen sind die Gemeinden im Süden Brüssels. In der Ortschaft Lot (Gemeinde Beersel) musste das Sashoek-Viertel geräumt werden. Betroffen sind 7 bis 800 Einwohner. Polizei und Armee kontrollieren das Gebiet.

In Halle droht die Überflutung des Stadtzentrums (Foto). Schuld ist der überhohe Pegelstand des Kanals Brüssel-Charleroi. „Wir haben alle denkbaren Maßnahmen ergriffen. Alle Schleusen wurden geöffnet“, sagte Bürgermeister Dirk Pieters. „Wir versuchen möglichst viele Wohnungen mit Sandsäcken zu sichern.“ Die Bewohner wurden aufgefordert, ihre Autos außerhalb der Stadt in Sicherheit zu bringen.

Weil die Bahntrasse in Halle parallel zum Kanal läuft und die Feuerwehr keine Risiken eingehen will, wurde der Zugverkehr auf dieser Strecke stillgelegt. Das betrifft auch die Hochgeschwindigkeitszüge (Eurostar und Thalys) Richtung Frankreich und England.

In Sint-Pieters-Leeuw sind 14 Wohnungen überflutet worden. Auch spitzt sich die Lage weiter zu. Wasser aus dem naheliegenden Kanal war in einen Wohnblock geströmt. Rund 100 Personen mussten evakuiert werden.

In Ternat steht der Keller eines Altenheims unter Wasser. Dadurch sind die Heizung und teilweise auch der Strom ausgefallen. In dem Heim leben 140 betagte Menschen.

In Ruisbroek (Foto) trat das Wasser des Kanals über die Ufer. Die Bewohner mehrerer Wohnungen wurden in einer Primarschule untergebracht.

„Noch nie so viel Wasser gesehen“

Von der Flut schwer getroffen ist auch der Brüsseler Nordrand. In Grimbergen stand das Wasser in vielen Wohnungen schon am Samstag 1,5 Meter hoch. Eine Entspannung der Lage ist noch nicht in Sicht.

In Steenhuffel, einer Ortschaft der Gemeinde Londerzeel, verschlechtert sich die Situation weiter. Im Zentrum sind schon mehrere Strassen überflutet. Viele Anwohner wurden von der Flut überrascht. „Es ist furchtbar“, sagte ein Betroffener.

Viele Hausbewohner weigern sich ihre Wohnungen zu verlassen, obschon diese unter Wasser stehen. „Ich befürchte aber, dass wir sie evakuieren müssen, wenn Strom und Heizung ausfallen“, so Brügermeister De Borger.

Gute Nachrichten kommen aus Merchtem. Dort sinkt der Wasserpegel wieder und konnte der Katastrophenplan abgeblasen werden.