VRT-Debatte: Spaltung Belgiens möglich?

In der VRT-Sendung Panorama lief am Sonntag auf Canvas eine Sondersendung zur Frage, ob eine Spaltung Belgiens möglich ist. Elf Experten kamen zu Wort und danach folgte eine Debatte mit Politikern sowohl aus Flandern als auch aus dem französischsprachigen Belgien. Das Ergebnis: Eine Spaltung des Landes wäre technisch möglich, aber äußerst schwierig, in die Praxis umzusetzen und sehr teuer.

Ein Dutzend Universitätsprofessoren hat in ihren jeweiligen Fachgebieten die Machbarkeit eines Spaltungsszenarios in unserem Land ausgelotet. Die Professoren erklärten, worüber im Falle einer Spaltung verhandelt werden müsse. Die Bereiche reichten von der Eisenbahn und den belgischen Pommes-Frites über Sozialleistungen und der Staatsschuld bis hin zum Thema  Brüssel.

So wies zum Beispiel ein Professor darauf hin, dass Flandern zu klein sei, für eine eigene Armee und dass diese nur im Verbund mit anderen Sinn mache, dass jedoch ein Überleben im wirtschaftlichen Bereich möglich sei. Wallonien hätte diesbezüglich schon mehr Schwierigkeiten. Auch sei das Fortbestehen der Monarchie im Falle einer Spaltung nicht gefährdet, da der König zum Beispiel König mehrerer unabhängiger Länder sein könnte.

Insgesamt wäre eine Spaltung des Landes, so stellte sich nach der Reportage heraus, möglich, aber äußerst schwierig, in die Praxis umzusetzen und sehr teuer.

Auffallend in der anschließenden Debatte der Politiker danach war, dass jeder das aus der Sendung im Kopf behalten hatte, was er sehen und hören wollte. So waren die flämischen nationalistischen Parteien vor allem froh darüber, dass das Thema der Aufteilung des Landes kein Tabu mehr sei und dass über die Möglichkeit der Spaltung immerhin geredet würde. Die frankophonen Parteien sowie die flämischen Christdemokraten, Sozialisten, Liberalen und Grünen halten eine Spaltung für nicht wünschenswert und schlussfolgerten, dass so eine Spaltung doch sehr schwierig wäre.

So gab Caroline Gennez von den flämischen Sozialisten SP.A zu bedenken, dass aus den Erklärungen der Experten hervorgegangen sei, dass es keine feststehenden Regeln für eine Spaltung gebe und damit sei das Ergebnis klar, nämlich dass die Spaltung dieses Land unglaublich kompliziert wäre und Jahre, wenn nicht Generationen, dauern würde.

Befürworter und Gegner einer Spaltung des Landes haben also Argumente für ihre jeweilige These finden können.

Die Sendung war auch in Wallonien und Brüssel zu sehen

Die Sondersendung war auch in Wallonien und Brüssel zu sehen. Das dritte Programm des französischsprachigen Fernsehsenders RTBF strahlte zur gleichen Zeit wie Panorama aus. 

Vor vier Jahren hatte übrigens auch die RTBF eine Sendung über die Spaltung Belgiens ausgestrahlt, der zahlreiche Diskussionen folgten.