Eurometropole Lille-Kortrijk-Tournai

Mehrere belgische Regionen sind Teil eines grenzüberschreitenden Kooperationsprojekts, so auch die Städte Kortrijk (großes Foto) und Tournai. Gemeinsam mit der französischen Großstadt Lille bilden sie eine grenzüberschreitende Eurometropole.

Die belgisch-französische Initiative "Eurometropole Lille-Kortrijk-
Tournai“ wurde als allererster Europäischer Verbund für territoriale Zusammenarbeit (EVTZ) im Januar 2008 in Kortrijk ins Leben gerufen.

Mitglieder sind insgesamt 14 Partnereinrichtungen aus dem französischen Département Nord und aus den belgischen Provinzen West-Vlaanderen und Hainaut, die es gilt, unter einen Hut zu bringen.

Der Verbund Eurometropole erarbeitet unter dem Stichwort Nachhaltigkeit Projekte in den Bereichen Kultur, Tourismus, Entwicklung, Verkehr und Dienstleistungen, um damit die Lebensqualität von fast zwei Millionen Einwohnern zu verbessern.

Das Unternehmen, finanziert vom europäischen Programm Interreg IV - France/Wallonie/Vlaanderen, scheint gigantisch angesichts der verschiedensten Gremien in den Bereichen Verwaltung und Politik, die es gilt, miteinander zu vereinbaren:

Drei Provinzen/Departements - siehe oben - und gleich acht Bezirke (die nordfranzösische Métropole Lille mit den quasi eingemeindeten Vorstädten Roubaix und Villeneuve d’Ascq und die belgischen Städte Kortrijk, Roeselare, Ypern, Tielt, Tournai, Mouscron und Ath, die sich über die beiden Provinzen Westflandern und Hennegau (Wallonien) verteilen).

Nicht weniger als 14 verschiedene politische Gremien von lokaler bis hin zu nationaler Ebene arbeiten hier zusammen. Überdies vereint die Eurometropole 145 flämische, wallonische und französische Kommunen.

Derzeit führt die Bürgermeisterin von Lille, Martine Aubry (Foto), den Vorsitz.

Vizevorsitzende sind Kortrijks Bürgermeister Stefaan De Clerck, der auch Belgiens Justizminister ist; Rudy Demotte, der Ministerpräsident der Wallonischen Region und der französische Europaabgeordnete, Vizepräsident von Lille Métropole und Bürgermeister der Hellemes (bei Lille), Gilles Pargneaux.

Zentrale Lage - Gute Verkehrsanbindung

Die Eurometropole Lille-Kortrijk-Tournai liegt mitten im Zentrum des belgisch-französischen Nordsee-Hinterlands und ist verkehrsmäßig vorzüglich vernetzt und erreichbar.

Sie bildet die Schnittstelle von insgesamt 10 teils internationalen Autobahnen. Sie verfügt über gleich zwei Regionalflughäfen (Lille Airport und Kortrijk-Wevelgem) und sie wird von zwei Hochgeschwindigkeits-Strecken für den TGV, den Thalys und den Eurostar (bald auch der ICE aus Köln?) berührt (Bahnhof Lille Europe).

Dadurch sind direkte Verbindungen nach London, Paris, Brüssel, Köln, Amsterdam oder auch Luxemburg und Straßburg schnell gegeben.

Die Eurometropole ist also international vorzüglich gelegen und bietet durch ihre regionale Vielseitigkeit Attraktivität und Innovation. Nicht zuletzt bietet die Schelde über Gent eine direkte Binnenschifffahrts-Anbindung an den Hafen von Antwerpen.

Info: Was ist der EVTZ?

Der Europäische Verbund für territoriale Zusammenarbeit (EVTZ) ist ein Instrument, mit dessen Hilfe Mitgliedstaaten, regionale und lokale Behörden, Vereinigungen und sonstige öffentliche Körperschaften bürokratische Hindernisse für die Zusammenarbeit zwischen Ländern und Regionen überwinden können, unabhängig davon, ob für die jeweiligen Programme und Projekte Mittel der EU, der Mitgliedstaaten oder privater Investoren vorgesehen sind.

Die Verordnung über den EVTZ wurde vom Europäischen Parlament und vom Europarat im Juli 2006 angenommen. Bisher haben dreizehn Mitgliedstaaten Bestimmungen zur Umsetzung der EVTZ-Verordnung erlassen.

Dies sind: Ungarn, Großbritannien, Bulgarien, Portugal, Rumänien, Griechenland, Spanien, Slowenien, Frankreich, die Slowakei, Dänemark, Litauen und Estland. Die übrigen Staaten, wie zum Beispiel Belgien, haben Fortschritte signalisiert.

Die Bestimmungen richten sich nach dem jeweiligen innerstaatlichen Rechtssystem. Sie regeln zum Beispiel die Frage, welches Rechtssystem gilt, welche Aufgaben durchgeführt werden, welche Behörde zuständig ist und ob Partner aus Drittländern mit einbezogen sind.