Asylproblematik: Suche nach Lösungen

Belgiens scheidender Premierminister Yves Leterme (CD&V) gibt zu, dass sich die Suche nach Auffangplätzen für neu ankommende Asylsucher derzeit als schwierig erweist. Angesichts der kalten Temperaturen soll vermieden werden, dass Flüchtlinge auf der Straße Landen.

Angesichts der eisigen Temperaturen, die derzeit auch in Belgien vorherrschen, hat das Hochkommissariat für Flüchtlinge der Vereinten Nationen (UNHCR) Belgien wegen des Mangels an Unterkünften für Asylsucher gerügt (siehe auch unser entsprechendes Nachrichtenvideo von Dienstag).

UNHCR-Sprecherin Melita Sunjic sagte dazu am Dienstag in Brüssel: "Wir sind sehr beunruhigt, in Brüssel Personen zu sehen, die gezwungen sind, auf der Straße zu leben.“ Das UN-Flüchtlingskommissariat hatte Belgien schon vor Wochen auf die sich anbahnende ernste Lage hingewiesen.

Premierminister Yves Leterme musste indessen zugeben, dass es Probleme bei der Unterbringung von neu ankommenden Flüchtlingen gibt. Am Mittwochmorgen sagte er im VRT-Frühstücksradio "De ochtend - Der Morgen“, dass es eigentlich nicht sein darf, dass Menschen in einer so wohlhabenden Gesellschaft, wie der unseren, ohne Dach über dem Kopf leben müssen:

"Wir haben unsere Lektionen aus der Vergangenheit gelernt und uns früher mit dem Problem befasst. Allerdings sind wir im Bereich der Verwaltung auf allerlei Hindernisse gestoßen, als es um die Nutzung von leerstehenden Gebäuden ging. Doch mit Hilfe des Roten Kreuzes können wir schrittweise in den kommenden Wochen etwa 2.500 neue Auffangplätze bereitstellen.“

Am Mittwochmorgen fanden sich erneut etwa 200 Flüchtlinge vor dem Asylbewerberamt Fedasiel in der Nähe des Brüsseler Nordbahnhofs ein, um Aufnahme in unserem Land zu erbitten. Auch angesichts dessen will sich Premier Leterme die Kritik des UNHCR zu Herzen nehmen.
 

Notunterkünfte in Brüssel gesucht

Belgiens Staatssekretär für Integration, Philippe Courard (PS - Foto) lässt in den kommenden Tagen weiter nach Notunterkünften und Schlafplätzen für Asylbewerber in der belgischen Hauptstadt Brüssel suchen. Die Gebäuderegie des Bundes richtet zum Beispiel ein leerstehendes staatliches Gebäude im Stadtteil Elsene einrichten.

Fast alle Asylbewerber melden sich in Brüssel oder in anderen belgischen Großstädten. Auffangplätze in kleineren Ortschaften in der Provinz bleiben oft ungenutzt. Die leerstehenden Kasernen, die Bundesverteidigungsminister Pieter De Crem (CD&V) vor einem Monat schon bereit stellte, müssen immer noch angepasst oder renoviert werden. Auch sie liegen weit ab von Geschehen, zum Beispiel in Bastogne in den Ardennen oder im limburgischen Houthalen-Helchteren.

Staatssekretär Courard gerät ob der durch die eisigen Wintertemperaturen immer dramatischer werdenden Situation immer mehr in die Schusslinie der Kritik. Ihm und seinen Behörden wird zu langsames Reagieren vorgeworden. Schon im September wurde auf das drohende Auffangproblem zu Beginn des Winters hingewiesen.