Verhofstadt: "Einheitlicher Anleihenmarkt!"

Die Europäische Zentralbank und die EU sind entschlossen, gegen die Eurokrise vorzugehen und mahnen die Banken an, ihren Teil dazu beizutragen. Guy Verhofstadt, liberaler Ex-Premier aus Belgien und erklärter Europäer, geht einen Schritt weiter.

Die europäischen Institutionen haben Reformen auf den Weg gebracht, um den Euro wetterfest zu machen. Dazu gehört unter anderem eine Verschärfung des Euro-Stabilitätspaktes mit strengeren Strafen für Haushaltssünder. Das reicht nicht, so der frühere belgische Premierminister Guy Verhofstadt. In Gesprächen mit belgischen Medien veröffentlichte der Fraktionsvorsitzende der Liberalen im Europaparlament seine Vorstellungen, wie die europäische Einheitswährung zu retten sein könnte.

Die Eurozone braucht nach Ansicht Verhofstadts einen einheitlichen Anleihenmarkt. Noch gibt es keine gemeinsamen Rentenpapiere in den Euroländern. Jedes Mitgliedsland der Eurozone nimmt dazu eigenes Kapital an den Märkten auf. Deutschland ist stabil und schafft dies zu günstigen Zinsen, doch andere Staaten müssen wesentlich höhere Belastungen in Kauf nehmen. Griechenland muss für seine langfristige Anleihen fast 12 % aufbringen. Solche Unterschiede bedrohen den Zusammenhalt der Eurozone, wie Fachleute und auch Guy Verhofstadt warnen.

Der belgische Europapolitiker nimmt für seine Vorschläge Ideen auf, die in Brüssel derzeit eher hinter vorgehaltener Hand die Runde machen. Demnach soll die Staatsschuld eines jeweiligen Mitgliedslandes nur bis zu einer Obergrenze von 60 % der gesamten Wirtschaftsleistung in einer gemeinsamen Schuldenpolitik zugelassen werden. Für die restliche Schuldbeträge können die Euroländer weiter ihre eigenen nationalen Anleihen ausgeben. „Diese Art von Anleihen wird natürlich teurer sein. Die jeweiligen Staaten sind also dazu ermutigt, die Gesamtschuld unter der 60 %-Marke zu halten“, schrieb Verhofstadt in seiner Schlussfolgerung.