Fließen in Flandern Milch und Honig?

Flanderns Landes-Einwanderungsminister Geert Bourgeois (N-VA - Foto) hatte vergangene Woche Pläne vorgelegt, nach denen Roma aus Bulgarien und Rumänien zur Arbeit in so genannten Engpassberufen zugelassen werden sollen.

Die auflagenstarke bulgarisch Tageszeitung Standart meldete am Wochenende: "Roma aus Bulgarien sind willkommen in Belgien“. Die Regierung der belgischen Provinz Flandern (!) habe einen strategischen Plan, um Roma aus Bulgarien und Rumänien in Städte und Gemeinden zu integrieren.

Eingewanderte Roma aus den beiden Ländern würden auf dem Arbeitsmarkt zugelassen und seien erwünscht. Flandern fürchtet jetzt einen noch größeren Zustrom von Roma aus Osteuropa. Schon jetzt klagen verschiedene Städte und Kommunen über zu viele Roma, die die lokalen Sozialhilfezentren überlasten.

Nach dem Plänen von Einwanderungsminister Bourgeois sollen Roma dazu angespornt werden, in Flandern zu arbeiten. Verschiedene Bereiche im Bundesland leiden unter Personalmangel. Für so genannte Engpassberufe – darunter fallen viele handwerkliche Berufe – fehlen die Bewerber. Roma sollen in diesen Berufen arbeiten, damit sie sich besser integrieren und damit nicht der Eindruck entsteht, hier würden paradiesische Zustände herrschen.

Flandern werde jetzt als Land mit Milch und Honig dargestellt, ärgert sich Bourgeois. Er kündigte an, mit der belgischen Botschaft in Sofia Kontakt aufzunehmen und mit dem bulgarischen Botschafter in Brüssel zu sprechen, um die falsche Darstellung zu korrigieren. Man wolle nicht den Eindruck erwecken, dass Einwanderer einfach so nach Belgien kommen könne. Das Gegenteil sei der Fall, sagte Bourgeois, der jetzt zusätzliche Maßnahmen ergreifen will, um Roma zu entmutigen, in unsere Richtung zu ziehen.

"Rechte Kräfte sind aktiv"

Daniël Termont (SP.A), der Bürgermeister von Gent, wo derzeit schätzungsweise 10.000 Roma ohne Arbeit und feste Bleibe umherirren, ist der Ansicht, dass der betreffende Zeitungsartikel in Bulgariens populärster Tageszeitung Standart gezielt von rechten Kräften in dem osteuropäischen Land gesteuert wurde.

Rechte Politiker in Bulgarien, wo die Roma diskriminiert werden - daher der große Zustrom und die hohe Zahl der Anfragen um politisches Asyl auch in Belgien - wollen diese Minderheit lieber gestern als morgen aus ihrem Land vertreiben.