"Die Belgier ließen Ruander im Stich"

Ein Brüsseler Gericht hat ein ungewöhnliches Zwischenurteil gefällt: Drei belgische Offiziere haben gewusst, dass sie 1994 ruandische Flüchlinge in einer Schule im Stich ließen. Die Blauhelme zogen ab und die Flüchtlinge sind noch am selben Tag ermordet worden. Die Belgier können die Verantwortung nicht auf die UN- Führung abwälzen, heißt es.

Im April 1994 suchten Flüchtlinge in der Don Boscoschule in der ruandischen Hauptstadt Kigali Schutz vor den mordenden Hutumilizen. In der Schule waren 90 belgische UNO-Blauhelme unter der Führung von Leutnant Luc Lemaire. Er bekam jedoch von seinen Vorgesetzten Joseph Dewez und Luc Marchal den Befehl, um mit den Truppen zum Flughafen von Kigali zu gehen. Wenige Stunden später wurden alle Flüchtlinge abgeschlachtet.

Hinterbliebene haben den belgischen Staat und die drei Offiziere wegen des Don Boscodramas angeklagt. Die Offiziere hatten sich stets mit dem Argument verteidigt, dass sie die Befehle der UNO ausführten. Das Zwischenurteil des Brüsseler Gerichts hat dieses Argument nun also entkräftigt.

Das Gerichtsverfahren wird noch das gesamte nächste Jahr dauern.