Belgische Bahn: So viele Klagen wie nie

Der Ombudsmann der belgischen Bahn muss dieses Jahr eine nie dagewesene Zahl an Beschwerden bearbeiten. Offenbar schlägt das noch laufende Jahr den bisherigen Rekord aus dem Jahr 2007.

2007 erreichten den Ombudsmann des belgischen Bahngesellschaft NMBS/SNCB mehr als 6.000 Klagen und Beschwerden von unzufriedenen Kunden. Doch dieses Jahr wird dieser Rekord wohl um Längen geschlagen.

Hauptkritikpunkte sind überfüllte Züge, ständige Verspätungen und die mangelhafte Kommunikation der Verantwortlichen mit ihren Kunden. Ombudsmann Guido Herman (Foto) hat alle Hände voll zu tun:

"Viel mehr Beschwerden, viel mehr Dossiers. Vor allem handelt es sich hier um Klagen wegen Problemen, die schon seit einiger Zeit vorliegen, bei denen sich aber nichts ändert. Davon werden die Bahnreisenden auf Dauer mutlos. Hier kann man sprichwörtlich das Licht am Ende des Tunnels nicht mehr erkennen.“

Der Ombudsmann der Bahn stellt fest, dass sich immer mehr treue  Stammkunden, die seit Jahren mit dem Zug fahren und die den Fortschritt der Bahn der letzten Jahre miterlebt haben, jetzt ebenfalls beschweren. Auch bei ihnen heißt es immer öfter: "Das geht so nicht mehr weiter. Ihr müsst endlich etwas unternehmen!“

Kommunikation und Verschleiß

Die Bahn gibt unterdessen zu, dass sie vor großen Problemen steht. Bahnchef Marc Descheemaecker führt dies unter anderem auf abgefahrenes Material und eine veraltete Infrastruktur zurück. In den 1990er Jahren sei wenig in die Staatsbahn investiert worden und das Durchschnittsalter des Fahrzeugparks beträgt etwa 30 Jahre.

Aber, die Bahngesellschaft NMBS/SNCB verspricht Besserung, so Descheemaecker. Nächstes Jahr sollen 120 neue Reisezugwagen in Betrieb genommen werden und für 2013 wird ein neuer Transportplan erarbeitet. Der derzeit aktuelle Transportplan der Bahn ist aus dem Jahr 1998. Das neue Vorhaben beschäftigt sich in der Planungsphase mit strukturellen Anpassungen und soll bewirken, dass sich eine kleine Verspätung nicht mehr massiv auf den Gesamtfahrplan auswirken kann.

Das Thema mangelnde Kommunikation soll für Bahnchef Descheemaecker auch bald der Vergangenheit angehören. Derzeit bleiben Fahrgäste und Bahnpendler viel zu lange im Ungewissen, wenn Probleme vorliegen.