Leterme: "Belgien kein kranker Mann"

Das Interview des Vorsitzenden der flämischen Nationalisten N-VA in Der Spiegel hat in Belgien viel Staub aufgewirbelt. Der scheidende Premierminister Yves Leterme widerspricht De Wever, dass Belgien "Europas kranker Mann ist" und der EU-Handelskommissar Karel De Gucht hält die Äußerungen De Wevers für nicht so wichtig.

Auf die Kritik De Wevers an Belgien und der französischsprachigen  Partei PS antwortet der scheidende Premier mit dem jüngst herausgegebenen Jahresbericht des Internationalen Währungsfonds. In dem Bericht kann sich Belgien zu den am besten abschneidenden europäischen Ländern reihen.

Es ist absolut falsch zu sagen, dass Belgien "Europas kranker Mann ist", reagiert Leterme auf das Interview. "Ja, sogar im Gegenteil. Auch der IWF bestätigt uns heute, dass wir zu den zwei, drei besten Schülern der Eurozone gehören.  Wenn wir natürlich selbst eine Diskussion beginnen und sagen, hier läuft alles schief, dann spielt man mit der internationalen Meinung und indirekt auch mit der Wohlfahrt der Bevölkerung. Man muss deshalb besonders gut aufpassen, was man sagt", so Leterme.

"Ob Welt auch an De Wevers Lippen hängt, bezweifele ich"

Der EU-Handelskommissar Karel De Gucht verleiht De Wevers Äußerungen nicht so viel Gewicht. Im VRT-Radio gab er deutlich zu verstehen, dass die Äußerungen der Finanzwelt egal seien.

"Wir gehen davon aus, dass die ganze Welt denkt, dass nur eine Regierung mit De Wever in Belgien möglich ist. Es kann doch sein, dass die Welt und damit auch die Finanzwelt sehr viel distanzierter dazu steht. Dass die Welt nun genauso an den Lippen De Wevers hängt wie die belgische und flämische Allgemeinheit, da habe ich so meine Zweifel", betont De Gucht.