Neuer Reiseführer für Flandern und Brüssel

Der neue Dumont-Bildatlas "Flandern-Brüssel" bietet einen Aktuellen Überblick auf eine nach wie vor interessante Region im Herzen Europas. Das belgische Bundesland Flandern und die belgische Hauptstadt Brüssel werden hier objektiv und ohne Klischees beschrieben.

Ohne Klischees ist vielleicht zuviel gesagt. Natürlich sind Themen, wie Fritten und Bier, Schokolade und Pralinen, das pittoreske Brügge (Foto oben) oder der belgische Sprachenstreit Klischees. Die Frage ist nur, wie werden diese journalistisch behandelt. Dem Dumont-Reiseverlag, seiner Autorin Rita Henß und dem Fotografen Rainer Kiedrowski ist jedenfalls ein guter Bildatlas über Flandern und Brüssel gelungen.

Schon die ersten doppelseitigen Fotos zur Eröffnung des Bildatlas zeigen die Vielfalt der beschriebenen Regionen und der erste Schwerpunkt, der sich mit Brüssel befasst, entspricht dem Titel "Multifunktionale Stadt für Millionen“. Hier geht’s ums tolle kulinarische Brüssel, um den Reichtum der Architektur (von der Grand’ Place über Victor Horta zum Atomium und zum modernen EU-Viertel) und die (multi)-kulturelle Vielfalt der Stadt. Nicht zu kurz kommt auch eines der Alleinstellungsmerkmale Brüssels als Quasi-Hauptstadt des Comics.

Ähnlich variantenreich beschreibt das Autorenduo in Wort und Bild auch das belgische Bundesland Flandern. Hier kommt auch die facettenreiche Natur und ihre Erzeugnisse, die ihren Weg in die kulinarische Welt des burgundischen Flanderns finden, nicht zu kurz. Immer wieder kommen auch Eigenheiten vor, wie der berühmte landesweite Veggietag in Flandern (den aber kaum einer einhält, der nicht überzeugter Vegetarier ist), wie die Windkraft auf dem flachen Land und die Radsportverrücktheit in der Region. Antwerpen als "Tor zur Welt“ wird ein eigenes Kapitel gewidmet.
 

Sprachenstreit

Das Thema Sprachenstreit behandelt der Dumont-Bildatlas auf eine sehr aufschlussreiche Weise, denn endlich einmal macht sich eine Redaktion die Mühe, auf Flandern einzugehen. Oft wird von deutschen und deutschsprachigen Journalisten leider nur die frankophone Sicht weitergegeben und Flandern allenfalls als rechtslastige "Nation“ dargestellt. Im vorliegenden Atlas werden zum Beispiel die "Häuser des Niederländischen“ erwähnt, über die Flandern die niederländische Muttersprache fördern und promoten will.

Burgundische Traditionen

Wenn sich die Autoren in die "Provinz“ begeben, zum Beispiel nach Ostflandern und Gent, wird wieder gerne ein Schwerpunkt auf den burgundischen Lebensstil und seine kulinarischen Besonderheiten eingegangen. Schnell ist man da beim Bier und anderes ist auch kaum zu erwarten.

Die Auswahl der vorgestellten Brauereien aus Flandern zeugt jedenfalls von guter Recherche, denn hier geht es nicht unbedingt um bereits allseits bekannte Häuser, sondern um bei den "Eingeborenen“ sehr beliebten Traditionsbieren, wie das De Koninck aus Antwerpen.

Übrigens, kleiner Tipp des Verfassers dieser Zeilen: Einige Restaurants in der Scheldemetropole bieten ein typisch Antwerpener Gulasch-Gericht an De Koninck-Soße - herrlich!

In Flandern begegnet man auch stets dem Thema Wasser, was hier mit vorzüglichen Fotos gezeigt wird. Ob nun Flussläufe durch die Stadtzentren, die vielen Kanäle, die das Land durchziehen, oder die Nordseeküste. Der Dumont-Bildatlas bietet einen reichhaltigen Querschnitt zu allem, was damit zu tun hat und geht auch ausführlich auf Geschichten und Geschichte ein.

Was man schon zu Brüssel und Flandern kennt, wird hier bestätigt und in ein aktuelles Bild gerückt. Der Bildatlas bietet aber auch viel Neues und Unbekanntes und gerade das lässt ihn derzeit von anderen Publikationen zum gleichen Thema in Europa etwas abheben. Sehr zu empfehlen sind auch die Infoseiten zu Belgien im Allgemeinen und zu Flandern und Brüssel im Besonderen auf der Internetseite des Dumont-Reiseverlangs.