Viele Grenzen im Osten des Landes

"Grenzgebiet - Von Voeren nach Sankt-Vith", ein Reportagebuch von Guido Fonteyn über Sprachengrenze(n), die Belgien durchziehen. Fonteyn reiste entlang der Grenzen zwischen Flamen, Wallonen und Deutschsprachigen im Osten Belgiens.

Herausgekommen ist ein wunderbares Buch in niederländischer Sprache, in dem vom politischen Werdegang Belgiens bis hin zu den kleinen Geschichten der Menschen an der Nordsüdlinie entlang der Kulturgrenze zwischen der romanischen und der germanischen Welt in Belgien alles zur Sprache kommt. Hoffentlich finden Guido Fonteyn und der herausgebender EPO-Verlag bald einen Weg, dieses Buch in auch deutsch und französisch auf den Markt zu bringen.

Eigentlich ist Guido Fonteyn (Foto) Journalist und er schreibt als Flame und als Kenner des frankophonen Landesteils von Belgien unter anderem für die flämische Tageszeitung "De Standaard“. Sein erstes Buch zum Thema Sprachengrenze(n) erschien unter dem Titel "Über die Sprachengrenze - Von Komen nach Voeren“ und berichtet von der Grenze zwischen niederländisch- und französischsprachigen Belgiern.

Das neue Buch ist denn auch die logische Konsequenz der vorangegangenen Reportage und nicht nur das. Es ist ein Buch, dass sich Zeit nimmt, in die Geschichten und in die Geschichte einzutauchen. Vieles, von dem, was da beschrieben wird, ist eine Folge des Versailler Vertrags. Doch neben hoher Politik und tiefgreifender Historie sind es gerade die Erzählungen der Menschen entlang dieser Sprachen- und Kulturgrenze, die diese Arbeit so wertvoll macht.

Hochsprache und Dialekte, Länder und Regionen

Auf beiden Seiten der Sprachen- und Landesgrenzen entlang der Route im Osten Belgiens, der Guido Fonteyn folgte, werden Dialekte gesprochen. Von den Voeren aus, nicht wirklich weit weg von der niederländischen Provinz Südlimburg, bis etwa hin nach Eupen, der Hauptstadt der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens, werden Dialekte gesprochen, in denen das Limburgische, das Platt-Dietsche oder das Rheinische niemals weit weg sind.

Von da an, etwa ab der belgischen Eifel bis hinunter nach Luxemburg werden die Dialekte moselfränkisch und auf belgischer Seite wallonisch. Aber, und das stellt auch Guido Fonteyn fest, immer wieder überschneiden sich diese Volkssprachen, was wiederum die Gemeinsamkeiten der Menschen aufzeigt.

Landschaften, Monumente und Deutschsprachige

Das Buch "Grensgebiet - Van Voeren tot Sankt-Vith“ ist auch eine Art Reiseführer. Guido Fonteyn hat auch ein Auge für Natur und Baudenkmäler, denn diese zeigen den Lauf der Geschichte auf.

Wie ein roter Faden ziehen sich die deutschsprachigen Belgier und die verschiedenen Dialekte germanischen Ursprungs durch dieses Buch. Guido Fonteyn schafft es, diesen originellen Sprachenmix in Niederländisch zu beschreiben.

Für einen Leser, der die drei belgischen Landessprachen beherrscht, sind die Beiträge des Buchs, die sich mit diesen Thema beschäftigen, selbst ein großer Spaß.

Guido Fonteyn ist einer der wenigen Journalisten, die sich korrekt mit der Materie auseinander setzen und die auch in deutlicher Sprache die Gemeinsamkeiten und die Unterschiede der Menschen und ihrer (politischen) Geschichte aufzeigen. Zum Beispiel macht der Autor einen gewaltigen Unterschied deutlich, der zum Verständnis der Region beiträgt: Die Deutschsprachige Gemeinschaft in Belgien und die belgischen Ostkantone sind nicht das gleiche!

Die Deutschsprachige Gemeinschaft in Belgien umfasst die neun deutschsprachigen Gemeinden in Ostbelgien. Diese erstrecken sich entlang der Grenze zu Deutschland, werden aber durch das Hohe Venn von einander getrennt. Die Ostkantone umfassen die gesamte Region, nämlich die deutschsprachigen Kantone Eupen und Sankt-Vith und den Kanton Malmedy, der vor dem Versailler Vertrag "Preußisch Wallonien“ genannt wurde…

Überraschender Autor des Vorworts

Das Vorwort zu "Grensgebied - Van Voeren tot Sankt-Vith“ verfasste kein Geringerer als Karl-Heinz Lambertz (Foto), der Ministerpräsident der Deutschsprachigen Gemeinschaft in Belgien. Er weiß wie kaum ein anderer, wie Grenzregionen funktionieren und welche Probleme sie auch bieten können. Er und seine rund 70.000 deutschsprachigen Landsleute profitieren von den positiven Elementen einer solchen Region. In den Voeren hingegen sind sich Frankophone und Niederländischsprachige nicht immer "grün“, auch wenn sie manchmal den gleichen Dialekt sprechen.

Lambertz jedenfalls würdigt Guido Fonteyn und dessen Arbeit in seinem Vorwort entsprechend und unterschreibt ihm einen interessanten Blick auf diese Region geworfen zu haben. Schließlich ist dieser Blick ein Blick von Außen - auch im Bereich der Reiseführerqualitäten, die dieses Buch zweifelsohne hat.

Die Herausgabe dieses Buches beim flämischen EPO-Verlag kam übrigens auch mit einer Förderung der Deutschsprachigen Gemeinschaft zustande. Vielleicht findet sich auch darüber ein Weg, dieses Buch zumindest in einer deutschen Fassung herauszubringen. Inhaltlich lohen würde dies sich auf jeden Fall - auch außerhalb der besprochenen Grenzregion in Belgien und Nordrhein-Westfalen, beziehungsweise Rheinland-Pfalz.