Die letzte Schicht bei Opel in Antwerpen

Im Antwerpener Opel-Werk ist am Mittwoch im frühen Nachmittag der letzte hier montierte Astra vom Band gelaufen. Nach und nach werden die letzten Aktivitäten ausgeführt und am Jahresanfang verlieren die letzten Kollegen ihren Job definitiv.

Schritt für Schritt beenden die verschiedenen Abteilungen am Opel-Standort in Antwerpen ihre Arbeit. Am Dienstag fertigte die Karosserie-Schlosserei ihre letzten Aufträge und am Mittwoch wurde der letzte Wagen, ein Opel Astra, montiert und vom Band geholt.

Bis Freitag arbeitet die technische Abnahme noch, denn die neu montierten Autos müssen sicherheitstechnisch noch kontrolliert werden.

Am Freitagabend ist definitiv Schluss, denn dann werden alle anfallenden Arbeiten in der traditionsreichen Antwerpener Autoschmiede abgeschlossen sein. Der letzte Antwerpener Astra wird unter der Belegschaft verlost.

Bis zum Jahresende am 31. Dezember sind die noch verbleibenden Opelaner aus Antwerpen technisch arbeitslos und am Tag darauf haben sie endgültig keinen Job mehr. Dann melden sich 1.300 neue Arbeitsuchende bei den Anlaufstellen der Arbeitsämter.

Noch vor 10 Jahren arbeitete Opel in Antwerpen mit einer Belegschaft von etwa 6.000 Beschäftigten und zu Hochzeiten Anfang der 1980er Jahre montierten hier fast 12.600 Arbeiter und Angestellte Fahrzeuge für die Rüsselsheimer GM-Tochter.

General Motors kündigte im Januar 2010 das Aus für den flämischen Standort an. Potentielle Übernahmekandidaten wurden vergrault und ein Käufer für die Fabrik ist bis heute ebenfalls nicht gefunden.

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85 Jahre GM und Opel in Antwerpen

1925 begann General Motors mit der Montage von Autos in Antwerpen. Die ersten hier gebauten Wagen wurden für Chevrolet montiert. Nach der Übernahme von Opel durch GM im Jahr 1929 rollten auch solche Autos vom Band und kurze Zeit später auch entsprechende Fahrzeuge der Marke Vauxhall für den britischen Markt. Nach dem Zweiten Weltkrieg überlebte das Werk zuerst mit Reparatur- und Unterhaltsarbeiten von Lastwagen der amerikanischen Armee, um danach wieder Opels zu bauen.

Hier lief später alles vom Band, was die deutsche Traditionsmarke zu bieten hatte: Kadett, Ascona und Manta bis hin zum Kadett-Nachfolger Astra mit dem in diesen Tagen das Ende des Schaffens eingeläutet wurde.

Die ersten Probleme kamen mit dem heftigen Aufkommen der japanischen Konkurrenz auf den Märkten. 1997 verlor Opel Antwerpen den Firmeninternen Bieterstreit um das Vectra-Modell und danach kamen nur noch Astras aus der Scheldemetropole.

Als 2007 und 2008 die allgemeine Wirtschaftskrise einsetzte, blieb auch der Autosektor nicht verschont. GM wollte sogar Opel abstoßen, doch die Länder, in denen Opel-Standorte arbeiteten, boten Zuschüsse und am Ende siegten die deutschen Werke. Opel Antwerpen fiel durchs Raster, denn das belgische Bundesland Flandern bot GM nicht genug Subsidien. Übrigens, General Motors roch Geld und die Verkaufsabsichten für Opel wurden fallen gelassen…

13 Jahre nach dem Weggang von Renault aus Vilvoorde verliert unser Land erneut eine wichtige europäische Automarke am traditionellen Montagestandort Belgien.