Flame setzt eher auf EU als auf Flandern

Der Flame vertraut der EU mehr als Flandern und Belgien. Das geht aus einer Umfrage von TNS Media im Auftrag des VRT-Magazins Terzake hervor. Die Umfrage wurde bei rund 1.000 Flamen durchgeführt und leitet das Ende des belgischen EU-Vorsitzes ein.

Der Flame vertraut vor allem dem Europäischen Parlament und der EU-Kommission (59 Prozent). Nur 49 Prozent der Flamen vertraut der flämischen Regierung und dem flämischen Parlament. Und noch weniger vertrauen der belgischen Regierung und dem belgischen Parlament (32 Prozent).

1 von 2 Flamen (51 Prozent) findet, dass Europa genug Macht und Befugnisse gegenüber den Mitgliedstaaten hat. 1 von 3 Flamen (32 Prozent) ist für ein mächtigeres Europa und nur 1 von 8 Flamen (13 Prozent) will, dass die Macht Europas künftig vermindert wird.

In der Politik halten die Flamen den Kampf gegen Arbeitslosigkeit und Kriminalität für prioritär. Außerdem halten sie eine gute Asyl- und Migrationspolitik für wichtig. Die Finanz- und Verteidigungspolitik liegen ihnen weniger am Herzen.

Ein Drittel ist für EU-Erweiterung

Auf die Frage "Halten Sie die Erweiterung der EU für wünschenswert?" antwortete 32 Prozent der Flamen mit "ja". 68 Pozent der Befragten ist gegen den Beitritt weiterer Länder zur EU.

Die Schweiz, Island und Kroatien werden am liebsten als Beitrittskandidaten gesehen, Israel, Marokko und Albanien sind weniger willkommen. 40 Prozent der Flamen hat nichts gegen einen Betritt der Türkei zur EU.

Die Hälfte (49 Prozent) denkt, dass der Beitritt der Türkei eine zu große Einflussnahme des Islam in Europa zur Folge habe und unsere westliche Kultur und westlichen Werte in Gefahr bringe. Ein Drittel (37 Prozent) findet das ganz und gar nicht.

64%der Flamen glaubt an Weiterbestand Belgiens

Ein Viertel (28 Prozent) der Flamen hält es für besser, wenn Belgien aufhört zu bestehen und will die Unabhängigkeit Flanderns.

2 von 3 Flamen (64 Prozent) denken, dass Belgien auch noch in 20 Jahren weiterbestehen werde.

Aus der Umfrage geht noch hervor, dass nur eine kleine Mehrheit der Flamen (59 Prozent) weiß, dass Belgien in den vergangenen sechs Monaten den EU-Vorsitz inne hatte.

Über die Hälfte der Flamen (65 Prozent) findet es wichtig, dass unser Land in den vergangenen sechs Monaten den EU-Vorsitz inne hatte. 19% darunter hält den Vorsitz sogar für sehr wichtig.

"Europa ist weiter weg"

Dem Belgier und ständigen EU-Ratspräsidenten Herman Van Rompuy zufolge sei der Grund für das mangelde Vertrauen der Flamen in die flämische und in die belgische Regierung die Krise in der nationalen Politik.

"Europa profitiert vielleicht ein bisschen von dem negativen Gefühl, das aufgrund unseres Politikzustandes entstanden ist. Ein weiterer Grund könnte natürlich auch sein, dass die flämische und belgische Politik viel mehr in das Leben der Menschen direkt eingreift. Hier geht es um ihre Rente, das Kindergeld und Steuern. Da hegt man schnell negative Gefühle, weil das alles so greifbar nahe ist.", so Van Rompuy nach dem Gipfel vom 16./17.12.2010.

Auf nationaler und regionaler Ebene mische man sich mehr ins tägliche Leben ein. Europa sei eben etwas weiter weg und deshalb stehe man dem positiver gegenüber.