"Kirche hat zu oft nur an sich gedacht"

In der außerordentlichen Parlamentskommission über Kindesmissbrauch in der Kirche hat Kardinal Danneels von Fehlern der Kirche in der Vergangenheit gesprochen. Sie sei sich zu wenig bewusst gewesen, welchen Schaden der Missbrauch bei den Opfern angerichtet habe. Er wies auch ausdrücklich auf das Leid der Opfer hin.

Der frühere Primas von Belgien sollte darüber Auskunft geben, wie er während seiner Amtszeit mit Hinweisen auf sexuellen Missbrauch durch Priester umgegangen ist. Danneels bedankte sich zunächst beim Ausschuss, dass er aussagen dürfe.

"Ich hoffe, dass die Arbeit des Ausschusses einen besseren Einblick des Vorgehens gegen sexuellen Missbrauch in der Vergangenheit gibt und dass der Ausschuss hilft, Missbrauch in allen Lebensbereichen künftig zu vermeiden", heißt es.

"Ich will ausdrücklich das Leid der Opfer anerkennen"

Danneels weist explizit auf das Leid der Opfer hin. Das steht dieses Mal im Mittelpunkt seiner Ausführung.

"Die gesammelten persönlichen Zeugenaussagen über Missbrauch von Kindern in der Kirche zeigen das tiefe Leid der Opfer und ihrer Familien. Das hat mich und viele andere sehr geschockt. Was ich gefühlt habe, reicht von Scham über Wut bis hin zum festen Vornehmen, etwas zu tun", erklärte der Kardinal.

"Ich will ausdrücklich das Leid der Opfer anerkennen und meine Abscheu darüber äußern, was ihnen von Dienern der Kircher angetan wurde", betonte Danneels. "Und ich bewundere die Opfer, die nach Jahren doch den Mut gefunden haben, das Schweigen zu durchbrechen."

"Kirche hatte zu viel Macht"

Danneels gab zu, dass die Kirche in der Vergangenheit zu viel Macht hatte, sich für unangreifbar hielt und sich wenig des Schadens bewusst war, den der Missbrauch bei den Opfern auch noch in deren späteren Leben anrichtete.

Trotz vielem Guten, das die Kirche getan hat, müssen wir uns der dunklen Seite stellen. Die Kirche hat zu oft nur an sich selbst gedacht und nicht an die Opfer." Dem Kardinal zufolge seien "Hochmut und Machtstreben" Schuld an diesem Dilemma.

Danneels stellte auch die rhetorische Frage, was schief gelaufen sei und warum sich die Kirche nicht früher des enormen Leides der Opfer bewusst geworden war? Missbrauch sei in allen Lebensbereichen schlimm, aber in einer Umgebung der Vertraulichkeit wie sie die Kirche vorgibt zu sein, sei das noch schlimmer.

Danneels sagte, dass er persönlich keine Verantwortung für den Missbrauch trage, aber sich wie ein Familienvater für Dinge entschuldige, die in der Familie passiert seien. "Und ich will das gleiche tun als Bischof und als Vorsitzender der Bischofskonferenz."

"Die Schuldigen müssen bestraft werden"

Danneels betonte, dass zu keinem Zeitpunkt eine bewusste Politik des Vertuschens statt gefunden habe. Er wies auch den Vorwurf zurück, die Kirche habe nichts gegen den Missbrauch unternommen. Er wies dabei auf mehrere Initiativen der Kirche hin wie die Gründung einer Meldestelle und den Ausschuss-Halsberghe (der später zum Ausschuss Adriaenssens wurde).

"Ich habe auch zu keinem Zeitpunkt einen offenen Dialog mit den Opfern verweigert", so Danneels noch. "Ich habe viele Opfer einzeln getroffen und immer den Wunsch geäußert, dass sie zur Polizei gehen oder vor Gericht ziehen sollten."

"Es ist jedoch auch wahr, dass das Vorgehen noch zu reaktiv war und dass die Opfer selbst die Initiative ergreifen mussten. Inzwischen wissen wir, wie schwierig das ist", gestand Danneels.

"Hätten wir früher begriffen, wie hoch der angerichtete Schaden tatsächlich ist, hätten wir noch besser zugehört."

In der letzten Woche waren übrigens die Bischöfe von der Kommission befragt worden.