Prinzessin Mathilde und die Mehrsprachigkeit

Kronprinzessin Mathilde gewährte der VRT-Journalistin Martine Tanghe ein Interview. Eigentlich geben die Mitglieder des belgischen Königshauses nur selten Interviews, doch für das niederländische Sprachenmagazin "Onze Taal" machte Mathilde gerne eine Ausnahme.

Unsere Kollegin, die TV-Journalistin Martine Tanghe, war angenehm überrascht, als Prinzessin Mathilde sofort auf ihre Interviewanfrage einging, denn eigentlich gewähren die Mitglieder der belgischen Königsfamilie den Medien nur selten Gespräche. Doch das Thema Sprachen überzeugte Mathilde, denn diese Materie begeistert sie.

Sie misst diesem Thema große Bedeutung zu und zu einem guten Gespräch darüber konnte sie nicht nein sagen. Sie selbst ist in Französisch erzogen worden. Erst ab ihrem 12. Lebensjahr begann sie Niederländisch zu lernen. Ihrer Ansicht nach, war das vielleicht etwas spät. Wohl deshalb steckte sie viel Zeit und Energie in diese Sprache.

Es ist ihr wohl nicht immer leicht gefallen: "Vor allem der Satzbau und die Aussprache der verschiedenen Laute und Betonungen fand ich schwierig.“ Sie ist sich auch bewusst, dass sie Niederländisch noch immer mit einem französischen Akzent spricht. "Den werde ich wohl nie mehr los“, gab sie unumwunden zu.

Seit ihrer Hochzeit mit Kronprinz Filip hat sie ihr Niederländisch immer wieder verbessert und systematisch ihren Wortschatz und die Grammatik aufgefrischt und zwar "anhand von realen Situationen und über direkte Kontakte mit den Menschen.“ Auf diesem Wege verbuche sie mehr Fortschritte, als zum Beispiel über theoretische Sprachkurse.

Mathilde liest jeden Tag auch niederländischsprachige Zeitungen und sie nutzt nach eigenen Angaben auch die audiovisuellen Medien aus Flandern. Sie redet täglich Niederländisch mit ihren Mitarbeitern, mit ihren Beratern und mit den Menschen in ihrer direkten Umgebung. All dies hilft ihr, diese Sprache weiter zu perfektionieren.

Sprachenbegeisterte Kinder und ein Bücherwurm

Prinzessin Mathilde misst der Mehrsprachigkeit viel Bedeutung bei: "Dies ist ein Trumpf für die Zukunft und bedeutet eine Öffnung zur kulturellen Vielfalt.“ Mehrsprachig sein sorge auch für die Fähigkeit, besser relativieren zu können, wie die Prinzessin meint.

Sie glaubt, dass man die Sprachen des Landes, in dem man lebt, unbedingt sprechen muss: "Es ist sehr wichtig, dass sich die Menschen in ihrer Umgebung zuhause fühlen. Das gilt nicht nur für die Neuankömmlinge, sondern auch für die weniger Privilegierten. Sonst werden sie aus der Gesellschaft ausgestoßen.“

Die Prinzessin gibt ihr Interesse für Sprachen auch an ihre Kinder weiter. Sie spricht zwar mit ihnen meistens Französisch, doch sie gehen in eine niederländischsprachige Schule: "Ich begleite meine Kinder bei den Hausaufgaben und zwar selbstverständlich in Niederländisch. Die Kinder denken dann einfach in dieser Sprache.“ Allerdings fällt ihr schon auf, dass sie oft mehrere Sprachen gleichzeitig und in einem Satz sprechen, doch dass will sie ihren Kindern abgewöhnen.

Prinzessin Mathilde und ihr Gemahl, Kronprinz Filip, sind begeisterte Leser. Mathilde behält sich Werke aus der Literatur für die Ferien oder für lange Flugreisen vor, doch Fachliteratur, sowohl in Französisch, als auch in Niederländisch, verschlingt sie ständig. Die meisten aktuellen flämischen Schriftsteller sind ihr zudem durchaus ein Begriff. Die meisten hat auch sie gelesen.

Doch womöglich ist ihr Mann ein noch größerer Bücherwurm: "Er ist von Büchern fasziniert. Er liest gerne und doppelt soviel, wie ich.“

"Ein Vorbild auch für viele Flamen"

Unsere VRT-Kollegin Martine Tanghe ist von Prinzessin Mathilde und ihren niederländischen Sprachkenntnissen angenehm überrascht: "Viele Frankophone sollten sich ein Beispiel an ihr nehmen. Übrigens, auch viele Flamen, denn Mathilde improvisiert nicht in Niederländisch. Sie spricht ein gepflegtes und korrektes Niederländisch.“

Martine Tanghe interviewte Prinzessin Mathilde für die niederländische Zeitschrift "Onze Taal“, was "Unsere Sprache“ bedeutet. Die Zeitschrift und die herausgebende Gesellschaft hat sich der Pflege der niederländischen Sprache verpflichtet und besteht schon seit fast 80 Jahren.

Martine Tanghe ist das einzige Vorstandsmitglied der Gesellschaft "Onze Taal“, das aus dem belgischen Bundesland Flandern kommt.