Jugend braucht Schutz vor Radikalisierung

Belgiens scheidende Innenministerin Annemie Turtelboom (Open VLD) hat sich mit der Bitte an Schulen, Jugendclubs und an die Vereinswelt gewendet, aufzupassen, dass die Jugendlichen nicht radikal werden. Radikalisierung berge die Basis für Terror, so die Ministerin.

Die Radikalisierung der Jugend ist eine schleichende und oft fast unsichtbare Angelegenheit und birgt mitunter die Gefahr, dass junge Leute in den Terrorismus abdriften. Dieser Ansicht ist jedenfalls Belgiens noch amtierende Innenministerin, die flämische Liberale Annemie Turtelboom (Open VLD - Foto oben).

Sie bittet jetzt um die Mithilfe aller Einrichtungen, die sich mit Kindern und Jugendlichen befassen, also bei weitem nicht nur die Schulen.

Auch in Jugendheimen, Sportvereinen oder anderen Gruppierungen soll nachgeschaut werden, ob sich der eine oder andere Jugendlich nicht in seinem Wesen verändert, sich zurückzieht oder gar undurchsichtigen Personen oder Gruppierungen anschließt.

Ist dies der Fall, dann rät die Ministerin den Verantwortlichen, mit dem Betreffenden das Gespräch zu suchen. Bleibt dies ohne Erfolg, dann solle man am besten die Polizei benachrichtigen.

Es soll bei ihrem Vorschlag aber nicht darum gehen, unliebsame Jugendliche einfach nur anzuzeigen oder anzuschwärzen, so Turtelboom.

"Das geht einen Schritt zu weit!"

Mieke Van Hecke, die Generaldirektorin des katholischen Unterrichtswesens im belgischen Bundesland Flandern, hält von den Plänen der Innenministerin gar nichts. Sie will lieber andere Wege gehen, um in Gefahr geratene Jugendliche auf andere Gedanken zu bringen. Van Hecke hält nichts davon, die Polizei einzuschalten:

"Das scheint mit derzeit einen Schritt zu weit zu gehen. Ich bin der Ansicht, dass ein vertrautes Verhältnis zwischen den Lehrkräften und verletzlichen Jugendlichen viel wichtiger ist. Lasst uns doch eher versuchen, die jungen Leute zu erreichen, mit ihnen das Gespräch zu suchen und zu schauen, wie wir sie zu friedlicher und solidarischer Menschlichkeit bringen und ihnen einen Platz in unserer Gesellschaft bieten können.“