"Basta": Undercover bei TV-Telefonspielchen

Jeder kennt sie, die Telefonspielchen zu jeder Tages- und Nachtzeit in diversen TV-Kanälen. Nun hat ein Undercover-Journalist Einblick in die Machenschaften solcher Redaktionen gehabt. Die belgische Glücksspielkommission ist beunruhigt.

Maxime De Winne (Foto oben), in seinem richtigen Leben Schauspieler und hauptberuflich Lehrer, arbeitete monatelang undercover für Telefonspielprogramme diverser privater TV-Sender. Dort infiltriert im Auftrag der Programmmacher der Reportagesendung "Basta“ der VRT bestätigte er, was viele schon lange vermuten.

Betrug an unbedarften Fernsehzuschauern ist gewollt und wird sogar provoziert. Hierbei werde gelogen und es gehe ausschließlich darum, sich auf Kosten von ahnungslosen Zuschauern "die Taschen zu füllen.“

De Winne gab am Montag an, als seine wirkliche Identität enthüllt wurde, die "Basta“-Redaktion habe beschlossen einzugreifen, als sie feststellte, dass die Politik auf Betrugsvorwürfe gegen Telefonspiele im TV nicht reagiert: "Wir haben dies dann auf unsere Art und Weise getan.“ Wenn jetzt niemand einschreite, sei er tief enttäuscht, so der Schauspieler/Undercover-Redakteur.

Maxime De Winne hatte einige Tage lang zuhause geübt und sich dann bei Home Games, der Firma, die die entsprechenden Programme im Auftrag der Privatsender produziert, beworben. Dabei habe er lediglich ein Din A 4-Formular unterschreiben müssen, dass ihn verpflichtete, über die Inhalte seines Jobs zu schweigen. Einen Arbeitsvertrag erhielt er nicht. Offenbar sollte nicht zuviel darüber auf Papier erscheinen…

Die Glücksspielkommission

Offenbar greift die Glücksspielkommission des belgischen Parlaments nicht wirklich gegen die seit Jahren umstrittenen Telefonspiele im Fernsehen ein. Das Programm "Basta“ suggeriert sogar, dass zwischen der Kommission und Home Games "eine gewisse Nähe“ besteht. Die Kommission wies dies am Dienstag gegenüber der VRT aufs schärfste zurück. Verschiedene Pläne, nach denen die Anrufer über besondere Prepaid-Telefonkarten spielen sollen, seien nicht umgesetzt worden. Dies hätte wohl diesen undurchsichtigen Spielchen den Garaus gemacht.

Im Laufe des Dienstags, einen Tag nach der entsprechenden "Basta“-Sendung und am Tag des Erscheinens eines gleichlautenden Artikels im flämischen Wochenmagazin "Humo“, prescht die Glücksspielkommission vor. Jetzt ist die Rede von Betriebsgenehmigungen für diese Art von Glücksspiel und von neuen Gesetzen. Allerdings sollen angeblich kaum Klagen gegen solche Programme von Seiten eventuell betrogener TV-Zuschauer vorliegen…

Staatssekretär Carl Devlies (CD&V - Foto), zuständig für die Koordination des Kampf gegen Betrug, will den Telefonspiel-Programmen erstmal keinen Riegel vorschieben und diese nicht verbieten. Doch sie hätten nur noch eine Chance. Auf Drohungen gegen seine Person, die der Undercover-Journalist einem Beteiligten entlocken konnte, reagierte der Staatssekretär gelassen.

Sende-Aus bei VTM und 2BE!

Am späten Dienstagnachmittag meldete die VMMa, die Mediengesellschaft der beiden flämischen Privatsender VTM und 2BE, dass sie die Ausstrahlung der Telefonspiel-Sendungen aufgrund des VRT-"Basta"-Programms zu diesem Thema von Montagabend bis auf weiters beendet.