Protestmarsch gegen die Regierungslosigkeit

Seit 224 Tagen ist Belgien ohne Regierung. Das wollen die Landsleute nicht mehr hinnehmen. Deshalb organisierten fünf Studenten einen Protestmarsch. Nach Polizeiangaben fanden sich mehr als 34.000 Teilnehmer in den Straßen Brüssels ein.

Die Demonstration, die am frühen Nachmittag begann, richtete sich in erster Linie gegen die politische Dauerkrise und gegen die Tatsache, dass sich die sieben über die nächste Stufe der Staatsreform mit einander verbundenen Parteien nicht auf ein gemeinsames Koalitionsabkommen einigen können.

Seit die Koalition Leterme II. im April 2010 auseinanderbrach arbeitet Belgien mit einer geschäftsführenden Regierung. Die Parlamentswahlen hatten am 13. Juni 2010 stattgefunden, mit den flämischen Nationaldemokraten N-VA als stärkster Partei in Flandern und der sozialistischen PS als Wahlsieger in Wallonien als Gewinnern.

Der virtuelle Protest auf Facebook unter dem Motto "Shame", den vier flämische und ein frankophoner Student auf den Weg brachten, hatte mit dem Protestmarsch ein Gesicht erhalten. Die Veranstalter wollten a-politisch bleiben, richteten sich also nicht gegen eine bestimmte Partei und wollten auch keine ausdrückliche pro-belgische Demonstration abhalten.

Allerdings stand den Teilnehmern frei, wofür auch immer zu demonstrieren. Von Anfang an waren allerdings viele belgische Fahnen zu sehen und nicht wenige demonstrierten auch ein Wenig für den Erhalt Belgiens und gegen einseitige Spaltungsgedanken.

Es fiel auf, dass bei den rund 34.000 Demonstrations-Teilnehmern - die Veranstalter sprachen sogar von 45.000 - beide Sprachegruppen gut vertreten waren und dass keine Politiker oder andere bekannte Gesichter mit dabei waren. Die Teilnehmer waren eigentlich alle besorgte Bürger, die endlich eine schlagkräftige Regierung fordern, eine Regierung, die sich mit ihren Sorgen befasst.