Endlich internationaler Presseclub in Brüssel

Am 2. Februar wird erstmals in Brüssel ein internationaler Presseclub eröffnet. Er soll ein Sammelbecken für belgische und internationale Journalisten in der Hauptstadt der EU werden. Mitglied können alle hauptberuflich tätigen Journalisten werden, ob sie nun aus Antwerpen, Lüttich oder Eupen kommen oder Kollegen aus Berlin, Mailand oder Marrakesch sind.

Ganz neu riechen die 400 m² Bürofläche in der Rue Froissartstraat, unweit des EU-Ratsgebäudes Justus Lipsius im Brüsseler EU-Viertel. Es wird letzte Hand an die Innenausstattung der Räume gelegt, denn am Mittwochabend, 2. Februar, wird hier der erste internationale Presseclub in Brüssel, Press Club Brussels Europe (PCBE), eingeweiht.

Über 250 Journalisten haben der Einladung zur Eröffnung zugesagt, bei der u.a. der frisch gewählte Präsident des PCBE, der Deutsche Thomas A. Friedrich (großes Foto oben), der Ministerpräsident der Region Brüssel-Hauptstadt, Charles Picqué (kleines Foto) und EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso ein Begrüßungswort einlegen werden. Eine kurze Rede von Jean-Luc Vanraes, dem Minister für Auswärtige Beziehungen der Region Brüssel-Hauptstadt, wird ebenfalls erwartet.

Die Brüsseler Hauptstadtregion war es auch, die während der belgischen EU-Ratspräsidentschaft an den Vorstand der Internationalen Pressevereinigung API (International Press Association) herangetreten ist, um der Ghettoisierung der internationalen Presse entgegenzuwirken. Zwischen den belgischen Journalisten und den internationalen Journalisten, die hier in Brüssel bei den EU-Institutionen akkreditiert sind, soll eine Brücke gebaut werden, sie sollen endlich in Kontakt miteinander kommen. „Die Brüsseler Hauptstadtregion hat uns eine Analyse mit 95 weltweit namhaften Presseclubs vorgelegt und uns gefragt, ob wir uns auch so etwas für Brüssel vorstellen könnten“, so Thomas A. Friedrich. Bei dem 56-jährigen Friedrich, der seit 15 Jahren als freier Journalist in Brüssel arbeitet und auch im Vorstand der API sitzt, rannte die Brüsseler Hauptstadtregion mit diesem Vorschlag offene Türen ein. Seit langem war es sein Traum, einen Ort für die Journalisten in Brüssel zu schaffen, „an dem diese sich selbst organisieren und Themen setzen.“

Seite an Seite mit den belgischen Kollegen

Der Press Club Brussels Europe soll nach dem Modell der Bundespressekonferenz in Deutschland funktionieren und auch zum Zweck haben, Pressekonferenzen mit maßgeblichen Personen aus Politik, Wirtschaft und Kultur zu veranstalten. „Seit 1958, als die EU-Institutionen etabliert wurden, gibt es keinen internationalen Presseclub in Brüssel“, erklärt Friedrich. „Wir wollen, dass der Presseclub ein Sammelbecken für belgische und internationale Journalisten in der Hauptstadt der Europäischen Union wird. Mitglied werden können alle hauptberuflich tätigen Journalisten, ob sie nun aus Antwerpen, Lüttich oder Eupen kommen oder Kollegen aus Berlin, Mailand oder Marrakesch sind.“

Natürlich wolle man auch einen Austausch mit den 95 namhaften Presseclubs weltweit, so Friedrich noch. Gleichzeitig weist er darauf hin, dass der Press Club Brussels Europe nicht zu verwechseln sei mit dem IPC, dem Internationalen Pressezentrum in Brüssel, das ein Konferenzzentrum in Brüssel ist. Das IPC biete den Medienvertretern nämlich nicht die Möglichkeit, sich in zwangloser Atmosphäre über die unterschiedlichsten Themen auszutauschen. Im neuen internationalen Presseclub hingegen sollen auch soziale und kulturelle Veranstaltungen statt finden. Ein Wettbewerb für das beste Pressefoto sei geplant, genauso wie ein Konzert in den Räumen des Presseclubs mit dem Preisträger oder der Preisträgerin des Königin-Elisabeth-Musikwettbewerbes. Außerdem wolle man verschiedene Arbeitsgruppen aus 4 bis 5 Personen bilden. Eine Arbeitsgruppe könnte zum Beispiel die Organisation von Radtouren der Journalisten an die flämische Küste und eine andere, die Organisation von Vorträgen und Diskussionen im Presseclub übernehmen. Auch ist eine enge Zusammenarbeit mit der König-Boudewijn-Stiftung vorgesehen. Die Studenten der belgischen Journalistenschulen sollen im Presseclub die Möglichkeit eines ein- bis dreimonatigen Praktikums erhalten, eine ideale Chance, um erste Kontakte in der Medienwelt zu knüpfen. Friedrich betont, diese Möglichkeit würde ausschließlich belgischen Studenten angeboten, damit die nächste Generation Belgier, helfen könne, die internationale Presse aus ihrer Ghettosituation herauszuführen.

Im neunköpfigen Vorstand des neuen Presseclubs werden übrigens auch zwei Belgier sitzen. Ob es sich dabei um je einen Flamen und einen Wallonen handeln werde, darüber diskutiere man noch.

„Lassen uns nicht von Sponsoren kaufen“

Die Finanzierung des Presseclubs beruht prinzipiell auf vier Pfeilern. So sorgt die Region Brüssel-Hauptstadt für die finanzielle Grundausstattung des Clubs und deckt die monatliche Miete und die Personalkosten für eine festangestellte Person und eine Teilzeitkraft zunächst für ein Jahr ab. Gemietet sind die Räume für drei Jahre. Der Club hofft nämlich, irgendwann einmal in das Gebäude des Résidence Palace umziehen zu dürfen, doch darüber müsse man sich noch mit dem belgischen Staat einigen, dem der Résidence Palace gehört.

Ein zweiter Pfeiler ist eine Gruppe aus bisher 16 „Corporate Sponsorpartnern“, die pro Unternehmen 3.000 – 7.000 Euro im Jahr bezahlen. Hierzu gehören zum Beispiel Brussels Airlines, Belgacom, GDF Suez, Solvay, die Freie Universität Brüssel ULB und die französische Hotelgruppe Accor. Auch an die deutsche Telekom habe sich der Club gewandt und diese habe bereits Interesse bekundet, so Friedrich. Als weiteres deutsches Unternehmen unterstütze Siemens den Club mit seiner Konferenztechnik. Kaufen lasse sich der Club von den Sponsoren jedoch nicht, betont Friedrich noch. Zwei Mal im Jahr werde eine Themenkonferenz organisiert, zu denen die Sponsoren eingeladen würden. Dann werde aussondiert, ob diese dem Club Themen anbieten können, die journalistisch relevant sind.

Ein dritter Pfeiler sei die Möglichkeit für Länder und Regionen, für einen Jahresobulus von 750 Euro im Jahr eine „Ehrenwoche“ beim Presseclub zu mieten und sich zum Beispiel mit ihrer Kultur, ihrem Tourismus und ihrer Wirtschaft in den Räumen des Clubs vorzustellen. Daneben könnte aber auch Fläche an zum Beispiel europäische Organisationen für Veranstaltungen und Pressekonferenzen vermietet werden.

Als vierter Pfeiler werde die Internationale Pressevereinigung API einen Teil des Jahresbeitrags ihrer Mitglieder zugunsten des Presseclubs abführen. Alle API-Mitglieder (derzeit knapp unter 400) seien übrigens automatisch Mitglied des Presseclubs.

Auf die Frage, was der Präsident des Press Club Brussels Europe vor Ende des Jahres erreicht haben möchte, antwortet dieser: „Die Mitgliederzahl auf über 500 der 1.100 international in Brüssel bei den EU-Institutionen akkreditierten Journalisten zu erhöhen.“

                                                                                                                                                                                                   Uta Neumann