Eine "Botschaft für den König"

König Albert II. rundete am Dienstag seine Konsultationen mit Gesprächen mit PS-Chef Elio Di Rupo (Foto) und mit dem N-VA-Vorsitzenden Bart De Wever ab. Angeblich hatte Di Rupo eine "Botschaft" für den Monarchen in petto.

Als Elio Di Rupo am Dienstag mit seinem Wagen beim König vorfuhr, wurde er von einer Gruppe wartende Journalisten beobachtet. Diese entdeckten mit den Teleobjektiven der Fotografen die Unterlagen, die der Vorsitzende der frankophonen Sozialisten PS - vielleicht sogar bewusst - auf dem Schoß hatte.

Darauf waren einige zum Teil auch handschriftlich verfasste Zeilen zu entziffern. Unter anderem der Titel der Akte "Botschaft für den König“. Weiter war dort zu lesen, dass Di Rupo seinen Aufruf zur Bildung einer "Regierung der Nationalen Einheit“ wieder vorlegen will:

"Meine Überzeugung ist, dass früher oder später alle demokratischen Parteien am Tisch sitzen müssen, so zukunftsweisend ist die Reform, die der Norden vom Land verlangt.“

Offenbar schlägt der führende frankophone Sozialist auch vor, dass der Haushalt 2011 unbedingt dem Parlament vorgelegt werden muss, um Belgien nicht noch mehr zu destabilisieren.

Gegen 15 Uhr fuhr dann auch Bart De Wever im Palast vor. Er hatte mittlerweile davon gehört, dass Di Rupos Notizen fotografiert worden waren. Auf seinem Schoß war ein  A4-großen Blatt zu sehen auf dem "Neugierigenasensenftopf" geschrieben  stand. Er hatte damit die versammelten Prssevertreter regelrecht an der Nase herumgeführt.

Kommt eine neue Initiative?

In den vergangenen Tagen hatte der belgische Monarch die Vorsitzenden der demokratischen Parteien im Palast von Laken empfangen, um auszuloten, wie es jetzt weitergehen soll.

Zum ersten Mal wurden dabei auch die Liberalen MR und Open VLD konsultiert, die bei den vorangegangenen Sieben-Parteien-Gesprächen zur Bildung einer Bundesregierung außen vor geblieben waren.

Am Montag hatten sich Elio Di Rupo und Bart De Wever zu diskreten Gesprächen getroffen. Die beiden Wahlsieger der Parlamentswahlen vom 13. Juni 2010 sind - ob sie wollen oder nicht - quasi dazu verpflichtet, maßgeblich an der Regierungsbildung teilzuhaben.

Allerdings unterscheiden sich die beiden stärksten Parteien des Landes in ihren Auffassungen, die Staatsreform, die weitere Regionalisierung und die Zukunft Belgiens betreffend, fundamental.

Für die nächsten Stunden oder Tage wird erwartet, dass König Albert II. eine neue initiative ergreift, um die politische Krise zu entschärfen und gleichzeitig die Gespräche zu neuen Koalitionsverhandlungen in Gang bringen zu können.