Belgien wird vom Vorbild zum Forschungsobjekt

Jahrzehntelang galt Belgien im Ausland traditionell als positives Beispiel für eine friedliche Koexistenz zwischen einzelnen Gemeinschaften, auch beim amerikanischen Friedensinstitut USIP. Heute ist unser Land selbst zum Forschungsobjekt geworden.

Zwei belgische Wissenschaftler, ein Wallone und ein Flame, stellten dies in einer Publikation für das US-Friedensinstitut fest. Das Friedensinstitut ist eine Einrichtung des amerikanischen Kongresses (kleines Foto).

Bisher wurden der Flame Jonas Claes und die Wallonin Valérie Rosux in ihrem Institut stets darum gebeten, Fragen zum belgischen Föderalismus zu beantworten, doch mittlerweile beschäftigen sich die Informations-Anfragen fast nur noch mit den Spannungen zwischen den einzelnen Gemeinschaften in Belgien, die inzwischen zur Staatskrise geworden sind.

Die Forschungsarbeit des USIP führte sogar dazu, dass der jüngste "Peace Brief“ des Friedensinstituts Belgien gewidmet wird. Eigentlich beschäftigen sich diese Veröffentlichungen mit Ländern, in denen bewaffnete und gewalttätige Konflikte vorliegen: Irak, Kongo oder Afghanistan zum Beispiel.

Was schlussfolgert das USIP in seinem "Peace Brief"?

Im jüngsten "Peace Brief“ stellt das US-Friedenszentrum fest, dass die politische Elite Belgiens früher Modell für das Zusammenleben von "multi-ethnischen“ Gemeinschaften, was anderswo für Krieg und Zerrissenheit sorgt. Doch heute schlage diese politische Elite Profite aus den Sprach- und Kulturunterschieden und sorge selbst für Spannungen, um die politische Agenda im eigenen Kulturkreis zu bestimmen.

Während früher die institutionellen Reformen auf breit gefächerten gesellschaftlichen Überlegungen beruht hätten, komme der Impuls heute fast nur aus Flandern und sorge dort für nationalistische Gefühle, die mittlerweile zu einer Identitätskrise in Belgien führen würden, so der "Peace Brief“ weiter. Die Publikation nennt dies abschließend "Institutionelle Reformen als self fullfilling prophecy/“.